… vom Glück, im Freien zu sein

Freitag, 20.10.2017

Der Herbst ist hier bei uns, auf den Höhen des Hunsrücks schon weit fortgeschritten. Gestern war dann auch bei mir „Gartentag“. Bergeweise Laub wollte entsorgt, Sträuche und Bäume mussten gestutzt werden. Bei herrlichem Sonnenschein und um die zwanzig Grad, ging die Arbeit leicht von der Hand. Unser Ginkgo strahlt mit dem blauen Himmel um die Wette. 

Eine Kaffeepause mit meiner lieben Gartenfreundin, zwischen all den Abschnitten meiner japanischen Zierkirschen und unserem Hortensien tat gut.

Steckt man die Hände jetzt in die Erde, riecht es anders als im Frühling. Das feuchte Laub, es zerfällt um dem Boden neue Kraft zu geben. Ich liebe es, den Wandel der Jahreszeiten im Garten zu erleben, manche meine Gehölze habe ich sogar ohne Blätter am liebsten, sieht man doch dann erst wie schön gewunden Äste, wie bunt die Rinde ist.

Meinem Lieblings-Gärtner in der Buchwelt, Jakob Augstein, dessen Buch „Die Tage des Gärtners“ ich hier schon vorgestellt setzt der Herbst besonders zu. Verständlich einerseits, wird sie ihn und alle anderen Hobbygärtner als Vorbote des Winters ja erstmal zur Tatenlosigkeit verurteilen und ins Haus verbannen. Ich ticke da anders, geniesse auch die Zeit hinter der Fensterscheibe, plane eine Veränderung in den Beeten, streife auf Ideensuche durch meine Gartenzeitschriften. Blättere auch in Augsteins Erlebnissen, schaut mal, was ich da so gefunden habe. Bei ihm ist das immer mit einem Augenzwinkern gemeint, das nimmt ihm dann doch etwas von seiner Schwermut, wenn er an den Herbst denkt:

Textzitat S. 67, Tage des Gärtners, Jakob Augstein

… Am Ende des Sommers müssen Sie Ihren Garten aufräumen, so wie man als Kind am Abend eines langen Tages sein Zimmer aufräumen musste. Das hat ein bisschen mit der Sorge um die Pflanzen zu tun und sehr viel mit der Liebe zur Ordnung. Der Winter ist an sich kein Spaß. Aber ein unaufgeräumter Garten im Winter ist wirklich sehr, sehr deprimierend. Wenn schon alles um uns herum stirbt, sollten wir wenigstens die Form wahren …

S. 69, Zitat Franz Biberkopf

  • Inzwischen melden sich die Jahre, der Mottenfrass zermürbt die Haare.
  • Es kracht bedenklich im Gebälke, die Glieder werden schwach und welke
  • Die Grütze sauert im Gehirn und immer dünner wird der Zwirn.
  • Kurzum, du merkst, es wird jetzt Herbst, Du legst den Löffel hin und sterbst.

S. 68

… Und dann zieht sich das Leben in Ihrem Garten in die Erde und Sie sich ins Wohnzimmer zurück. Im Spätherbst gehen Sie nochmal raus und atmen diese besondere Luft ein, die jetzt samtig ist mit dem Duft der Erde und der Dunkelheit. Dann machen Sie die Türen zu, damit die Kälte nicht ins Haus kommt …

Recht so. Jetzt, wo sich das Unkrautwachstum endlich verlangsamt, bleibt mir etwas mehr Zeit zum Lesen …




Advertisements

Das geheime Leben der Bäume (Peter Wohlleben)

Dienstag, 03.10.2017

Wenn ich mit meinem Opa unterwegs war in den Wald, auf seiner alten schwarzen Triumph, dann war für mich als Kind Sommer. Oma erteilte den Auftrag zum Beeren sammeln für die alljährliche Marmelade. Opa lud unsere Blech-Eimerchen auf einen kleinen Anhänger und spannte seinen „Killer“, sein Motorrad an. Ich durfte dann hinter ihm sitzen und wir knatterten zu den besten Plätzen für Heidel-und Brombeeren. Mein Opa kannte sie alle, die Beeren-Geheimplätze, denn er war Waldarbeiter – und ich glaube es war seine Schuld, dass ich wenn man mich als kleines Mädchen nach meinem Berufswunsch fragte, nicht Ballerina sondern Förster sagte. An diesem Wunsch hielt ich auch fest, bis mir deutlich wurde, dass hier die Hege und das Dezimieren von Wild auch dazu gehört. Also hätte es für mich höchstens zu einer „vegetarischen“ Variante einer Försterin gereicht und ich besann mich anders. Die Liebe zum Wald aber ist mir bis heute geblieben. Nur hier, kann ich ähnlich wie in einer Kathedrale begreifen und spüren, dass wir Teil eines größeren Plans sein müssen. Hier kann ich mich erden. So richtig rational erklären konnte ich mir das bislang nicht, bis jetzt. Denn jetzt habe jemanden entdeckt, der das hervorragend kann:

Das geheime Leben der ume (Peter Wohlleben)

Peter Wohlleben ist Förster. Er hat über zwanzig Jahre für die Landesforstverwaltung als Beamter gearbeitet und dann gekündigt als ihm bewußt wurde, was moderne Fortwirtschaft mit unseren Wäldern macht. Heute leitet er einen umweltfreundlichen Forst in einer kleinen Eifelgemeinde. Dort arbeitet er an der Rückkehr der Urwälder in unseren Breitengraden.

Vom „Wood-Wide-Web“ hatte ich noch nie gehört. Klingt erstaunlich? Ist es auch. Wohlleben erklärt wie Bäume, insbesondere Buchen und Eichen in Gemeinschaften leben, sich über die Baumwurzeln vernetzen, sich gegenseitig versorgen und damit sogar kranken Gefährten beim Überleben helfen. Mit Hilfe von ganzen Pilz-Geschwadern und über elektrische Impulse die die Wurzenspitzen aus senden funktioniert das. Wenn er berichtet, das eine etwa vierhundert Jahre alte Buche im Laufe ihres Lebens ca. 1,8 Millionen Bucheckern produziert und am Ende nur ein einziger Baum als Nachwuchs dabei rumkommt, bleibt mir der Mund offen stehen. Blühzyklen im Wald, Abhängigkeiten die dadurch für Mensch und Tier entstehen waren mir so gar nicht bewußt. 

Das Bäume Schmerz empfinden können und wissenschaftlich belegt eine eigene Sprache haben – unfassbar. Wenn er von Scham spricht, die er empfindet, wenn er zurück denkt an seine Zeit als junger Förster als er Buchen zur Bestandsdezimierung mit einem Verfahren das „Ringeln“ genannt wird zum Absterben gebracht hat, schießen mir auch die Tränen in die Augen.

Von einer australischen Forscherin berichtet er, die nachweisen will das Pflanzen lernen, offenbar ein Gedächtnis haben. Sie forscht an Mimosen, denn einen ausgewachsenen Baum ins Labor holen ist halt einfach nicht drin. Wir alle kennen Mimosen. Sie schließen furchtsam bei Berührung ihre Blättchen. Was aber wenn Wasser auf sie tropft und das wiederholt? Das erstaunliche tritt ein, wir ahnen es schon, nach einigen Wiederholungen erkennt die Pflanze offenbar, dass ihr vom Wasser keine Gefahr droht und sie bleibt geöffnet. Auch noch wochenlanger Pause dieser Betropfung und einer erneuten Wiederholung hat die Pflanze sich das behalten!

Wohlleben verblüfft mit immer mehr erstaunlichen Fakten, mit Quellenangaben und Bezug auf namhafte Forscher und Wissenschaftler. Nichts was er erzählt kann man mehr einfach so als Mär abtun! 

Eine ausgewachsene Buche kann am Tag bis 500 Liter Wasser durch ihre Zweige treiben. 500 Liter, ich habe schon Probleme 2 Liter am Tag zu trinken! Man stelle sich jetzt vor was eine Hitzeperiode im Sommer mit einer Regenpause von zwei Wochen für die Bäume bedeutet. Wie schaffen es diese grandiosen Gewächse, das zu überstehen? Ihr gestrenge Lehrmeisterin die Natur hat ihnen das unter Schmerzen und mit gerissener Rinde beigebracht, haushalten ist angesagt. Sich gegenseitig warnen, wenn Trockenheit droht und die vorwitzigen, maßlosen Fichten es wieder mal übertreiben mit ihrem Konsum. Geht nicht, das Warnen meint ihr, oh doch! Lest es nach, Seite 46 ff.

Was es mit der Baumschule, dem Baumknigge und dem Co2 Staubsauger auf sich hat wird geklärt, auch die Frage ob und warum die Eiche ein Weichei ist …

Peter Wohlleben, er hat mitten hinein geschaut in den grünen Teil meiner Seele und es gibt ihn. Von der ersten bis zur letzten Seite seines Buches hatte ich Non Stop Gänsehaut. Warum ich als Kind im Wald mit meinem Opa immer die Schuhe ausziehen und mit nackten Füßen über den Waldboden gehen wollte, jetzt endlich begreife ich es! Viel zu selten bin ich heute genau da draußen, viel zu wenig schenke ich dem Beachtung was in der Natur geschieht. Viel zu selten stelle ich Fragen, warum das was ich bei einem Waldspaziergang sehe genauso ist wie es ist. Wieviel ist uns verloren gegangen, uns dem „modernen“ Menschen? Unsere Antennen sind verbogen, oder gar abgebrochen, wir haben unsere Verbindung zur Natur verloren.

Jetzt schiebe ich erstmal die Tastatur beiseite, ziehe Schuhe an und gehe raus, der Wald ist gar nicht weit. Vielleicht bin ich ja mal wieder so mutig wie damals, denke nicht, ziehe einfach meine Schuhe im Wald wieder aus. Warme Tage gibt es ja auch noch im Oktober. Wir sehen uns …

Das kleine Buch vom Gehirn (Michael Madeja)

Ab jetzt ist in der Apotheke noch mehr Abwechslung angesagt. Mein Mann ist ab und an mit einer eigenen Rezi mit an Bord. Hat er sich unlängst noch mit Harari’s Geschichte der Menschheit beschäftigt, treibt ihn jetzt um wie unser Gehirn funktioniert:

c/o Andreas

In München ist Oktoberfest. Komisch, ist doch erst September. Als Klugscheißer weiß ich jedoch, dass es nach dem Monat benannt ist, indem es endet, Oktober. Die Bayern haben`s einfach drauf mit der Namensgebung einer Veranstaltung. Ähnlich benannte Gruppenveranstaltungen finden sicher auch in Eurer Nähe statt. Tolle Musik der Original-Bierzelt-Party-Unterhaltungs- und Stimmungsband aus Oberbayern befeuern Saal und Bierkonsum. Was dann mit dem Bier und den Trinkern geschieht, hat vielleicht der Eine oder Andere schon am eigenen Leib „genossen“. Ich persönlich springe eher auf den Wein- als auf den Bierzug auf. Übermäßiger Genuß bringt allerdings die gleiche Wirkung mit sich. Was das mit einem Sachbuch zu tun hat, wird sich noch klären.

„Das kleine Buch vom Gehirn“ von Michael Madeja 

Ist es Fachbuch oder ein Sachbuch? Diese Frage hat mich während des Lesens oft beschäftigt. Zeitweilig geht es so sehr ins Detail, dass ich es eher als Fachbuch gesehen habe. Hier merkt man schon, dass der Autor Arzt und Hirnforscher ist. ALLERDINGS, das Buch verzichtet in den laufenden Texten auf jegliche Fachwörter. Es besitzt ein ausführliches Glossar … und das Salz in der Suppe, der Sonnenschein an einem nebligen Morgen, der Feierabend nach einem arbeitsreichen Tag sind die passenden Vergleiche. Die komplizierten Vorgänge in unserem Oberstübchen werden so auf jeden Fall durchschaubarer.  Im Teil „Die Bausteine“, kommen endlich die Gerstensafttrinker und das Bierzelt zum Zug. Der Autor beschreibt diesen Buchteil als das schwierigste Kapitel. Aus meiner laienhaften Sicht die besten Seiten, mit 1A-Vergleichen, die das Geschehen in unseren Hirnwindungen lebhaft darstellen.

Für mich immer wieder unvorstellbar, mit wieviel Informationen unser Gehirn versorgt wird. 

Auszug aus dem Buch „In jeder Sekunde nimmt unser Auge mehr als zwanzig beschriebene Schreibmaschinenseiten“ als Informationen auf und davon wird höchstens ein Buchstabe in den kurzzeitigen Speicher reingelassen. Ist das nicht unglaublich?

Ein kleiner Wermutstropfen beim Lesen ist die Besonderheit, dass der Autor keine Fachbegriffe im laufenden Text benutzt. Diese sind ausschließlich im Glossar zu finden.

Für mich ist diese Lektüre eine klare Leseempfehlung für alle, die mehr über sich und dieses besondere Organ erfahren möchten.

Eine kurze Geschichte der Menschheit (Yuval Noah Harari)

c/o Andreas

Wie jede Woche geht es auch diesen Freitag zum Einkaufen, und wie immer fängt es beim gesunden Obst und Gemüse an. Aprikosen, Äpfel, schnell noch wiegen. Ne, nix schnell. Eine Schlange, ne eine Traube, eine Menschentraube steht vor der Waage. Ah, jetzt ist die Waage frei, Etiketten auf die Tüten und weiter. Vorbei an Cornflakes, Marmelade und Dosenbohnen zum Einkaufshöhepunkt: DER Weinabteilung.
Was gibt es denn diese Woche zu probieren? Mmmmhh, zwei Sorten Blanc de Noir und Grauburgunder. Der Verkäufer erzählt so eindrücklich vom Wein, dass ich den Tropfen schon auf der Zunge schmecke, bevor ich das Glas erhebe. Dieser hier soll eine frische Note mit Anklängen von reifen Früchten und Rosenblättern haben. Der andere schmecke nach Apfel, Stachelbeere und passe gut zu würzigem Essen. Jetzt hält mich nix mehr. Ich probiere und was soll ich sagen …

Der Vergleich zwischen einer gut sortierten Weinabteilung und einer Bücherei drängt sich mir wieder einmal auf. In einer  Buchhandlung gibt es auch viele Verführungen zu bestehen. Ich lasse mich von meiner Tageslaune, der Farbe (ich greife eher zu hellen Büchern) und den schönen Worten des Klappentextes verführen und so kommt es, wie es kommen muss. Ich kaufe etwas Helles. Dieses Mal ein Buch, das ein bestimmtes Thema plausibel und sprachlich verständlich darstellt, genau – ein Sachbuch.

Eine kurze Geschichte der Menschheit (Yuval Noah Harari)

Ich bin gespannt, ob man in 528 Seiten eine solch lange Zeit sinnvoll zusammenpressen kann. Man kann. Harari kann!

Selbstverständlich fängt alles mit den Tieren an. Wir stammen von diesen ab und führen uns auch oft so auf. Provozierend und zum Nachdenken anregend sind die Seiten gefüllt mit Text, der mich oft innehalten lässt um länger über das Gelesene nachzudenken.

Handfeste Informationen, z.B. zur Evolution des Homo Sapiens, der industriellen Revolution, zum weltweiten Wirtschaftswachstum, kommen nicht zu kurz.

Unser Gehirn, Dreh-und Angelpunkt. Wie konnte sich das Organ zu der jetzigen Größe entwickeln? Im Buch wird die Brücke geschlagen zwischen der Entdeckung des Feuers zum Kochen, der Verkürzung der Därme und Entwicklung der Gehirne. Und wieso ist der Homo Sapiens so erfolgreich gewesen in seiner Ausdehnung? Der Drang zur Friedensliebe ist es bestimmt nicht gewesen. Harari schreibt hier von der „ersten, gründlichsten ethnischen Säuberung der Geschichte“. Wie schon erwähnt, sehr provokant!

Sein Buch ist außerordentlich vielfältig in seinen aufgegriffenen Themen. Neben der Entwicklung der Sprache und dem Sozialverhalten, kommt er auch zu den Regeln, die sich Menschen gegeben haben. Wir leben in (Zitat):“erfundenen Ordnungen“, wir glauben an „erfundene Götter“, wir vertrauen dem „erfundenen Geld“. Zitat: „Geld ist keine materielle, sondern hochgradig spirituelle Angelegenheit“.

Nee, was für ein Satz!

Zu Religion und in diesem Zusammenhang auch Ideologie hat Harari auch etwas zu schreiben. Zur Ideologie des Konsumismus folgenden Satz: (Zitat): „Allein in den Vereinigten Staaten geben die Menschen jedes Jahr mehr Geld für Diäten aus als nötig wäre, um die Hungernden der Welt zu ernähren“. Natürlich ist ein aus dem Sachverhalt herausgerissener Satz kein Indiz für die Lesenswürdigkeit eines Buches. Aber eines ist sicher. Mich hat der Satz innehalten lassen …

Wie entwickelte sich die moderne Wissenschaft? Was hat diese mit Imperialismus und Kapitalismus zu tun? Was ist das Gilgamesch-Projekt und wie wird sich die Menschheit verändern? Harari greift noch viele andere Themen auf und vertieft diese gekonnt.

Der feine Sprachwitz, die Abfolge der Themen. Alles passt für mich so gut zusammen. Dieses Buch ist nicht beliebig. Es schwimmt nicht auf der dunklen Masse von unzählig beschriebenen Seiten. Ein klares „must have and must read“. Dieses Buch ist wie ein guter Wein, die Beschreibung passt genau und die Geschmacks-und Aromastoffe halten lange nach. Also – dieses Buch ist nicht für den SuB (Stapel ungelesener Bücher), es muss! auf den SgB (Stapel gelesener Bücher) …

Geschenke aus meinem Kräutergarten (Gabriele Bickel)

Donnerstag, 06.04.2017

Na, wie sieht es bei Euch aus? Seid Ihr noch tiefenentspannt, oder habt Ihr eine hektische Woche vor Euch, auf der Suche, auf der Jagd nach dem passenden Oster-Mitbringsel? Vielleicht kann ich ja eine Idee beisteuern und Petra’s Bücher-Apotheke ohne Kräuter, geht ja irgendwie gar nicht 😉

Mir sind kürzlich meine Kräutersalz-Vorräte ausgegangen und da hatte ich den Einfall, Euch eines der Sachbücher vorzustellen, die ich immer wieder gerne zur Hand nehme.

Geschenke aus meinem Kräutergarten (Gabriele Bickel)

In meinem Garten gibt es überwiegend Gehölze und Stauden, für einen echten Nutzgarten fehlt mir leider die Zeit. Worauf ich aber keinesfalls mehr verzichten möchte, ganz klar, mein Kräuterbeet. Mich kann man in einem Gartencenter aussetzen und es gelingt mir dort, genauso wie in einer Bücherei die Zeit zu vergessen.

Das Sammeln von Kräutern, die ich noch nicht kenne und ausprobiert habe, wenn das in einer gut sortierten Gärtnerei oder auf dem Markt geht – wunderbar! Es ist ja kaum zu fassen, wieviele Sorten Minze es mittlerweile gibt. Diese zu Trocknen und im Winter einen Tee aufbrühen, damit den Sommer zurück holen. Mmh!

Jetzt stehe ich in den Startlöchern für die Grillsaison, Tomatensalat, dazu ein schönes Kräutersalz – lecker.

Ganz einfach und schnell gemacht, ein Salz in dem ich baden könnte – Estragron/Zitronenmelisse.

Am liebsten verwende ich dafür die Kräuter getrocknet, das Aroma ist dann noch intensiver.

Organisiert Euch ein schönes Meersalz, vorzugsweise ein Fleur de Sel, das noch eine leichte Restfeuchte hat. Gebt die Kräuter in einen Mörser und zerreibt sie fein. Den aufsteigenden Duft der ätherischen Öle genießen und dann mit dem Salz vermischen. Abgefüllt in ein hübsches Glas, das sich gut verschließen läßt, verziert mit einem handgeschriebenen Etikett oder einem schönen Bändchen – schon ist das Geschenk fertig.

Wer keinen Mörser hat (empfehle ich unbedingt!) kann die Kräuter auch fein hacken und untermischen.

In dem wunderschön fotografierten Buch von Gabriele Bickel findet man nicht nur Salze zum Selbermischen. Sondern auch zahlreiche andere Ideen, von denen ich schon einige getestet habe. Ohne einen selbst aromatisierten Essig beginnt bei mir keine Salatsaison mehr.

Bickel regt die eigene Kreativität an und gibt kräuterkundig Tipps rund um das gesunde Grün und die sonstigen Zutaten. Tees, Bäder, Öle, Wein – toll, wie viel man mit geringem Aufwand selbst hinkriegen kann. Das Buch dann mit einem selbst gemachten Küchengeschenk überreicht – unschlagbar.

Ich wünsche Euch viel Freude beim Verschenken, oder selber ausprobieren. Für Freunde des hochprozentigen sind auch leckere Likör-Ideen mit dabei!

Die Tage des Gärtners (Jakob Augstein)

Freitag, 24.03.2017

„Si hortum in bibliotheca habes, deerit nihil“ Cicero meint, „Wenn Du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen“ – da kann ich ihm nur leidenschaftlich beipflichten. Ok, ich gebe an der Stelle zu, dass ich auf Knie- und Rückenschmerzen nach der Gartenarbeit auch gut verzichten kann. Im Sommer aber früh morgens mit der ersten Tasse Kaffee durch’s Gras zu streifen, an meinen noch taufeuchten Rosen zu schnuppern, mit den Fingern durch den Lavendel zu gehen, die großen Zierlauchblüten bestaunen, ist durch nichts zu ersetzen …

„Zuerst geht der Frost. Dann kommt das Licht. Und bald auch die Wärme. Zeit die Bücher wegzulegen, das Träumen einzustellen und die Arbeit im Garten aufzunehmen“ (Zitat Augstein).

Heute ging es endlich in unserem Garten wieder los, er wurde abgestaubt, die letzten Reste des Winters aus den Beeten gefegt, frühjahrsfein gemacht. Damit das flott von der Hand geht habe ich mir hier tatkräftige Unterstützung angeheuert, und vor ein paar Saisons schon eine Baumschule gefunden, deren nette Chefin mir eine echte Blumen-Freundin geworden ist.

Wir wohnen auf einem Höhenzug im Hunsrück, 531m über Normal-Null. Die Winter fangen bei uns früh an und dauern lange. Auch heute, der metereologische Frühlingsanfang liegt schon hinter uns, fegt ein eisiger Ostwind durch die noch kahlen Sträucher. Die ersten Tulpen zwängen sich bei uns, in den Randlagen unseres Gartens, auch schon mal Ende Mai noch aus der Erde. Oft weiß ich gar nicht mehr, wo ich welche Blumenzwiebeln in den Jahren zuvor verbuddelt habe und freue mich wie ein Schnitzel, wenn dann in einer Ecke unvermutet noch etwas Blühendes ans Licht drängt.

Diese Liebe zu den Zwiebelblühern teile ich mit Jakob Augstein. Deshalb muss ich Euch auch ausnahmsweise mal eines meiner liebsten Sachbücher vorstellen. Gut, es ist eigentlich ein erzählendes Sachbuch, denn wir erfahren allerlei über die Leidenschaften und Erlebnisse des passionierten Hobbygärtners Augstein. Lernen unterhaltsam eine Menge nicht nur über Zwiebelpflanzen, die schönsten Sorten beschreibt er mit lateinischen Namen, zum Nachkaufen, Nachbestellen und zum Freude daran haben im eigenen Garten.

Augstein gliedert sein unterhaltsames Buch in die vier Jahreszeiten, nimmt Stellung zu Bodenbeschaffenheiten, Handwerkzeugen aller Art, Teich- und Gartenplanung – hier zitiert er dann auch schon mal Brecht: „Ja, mach nur einen Plan, sei ein großes Licht, und mach dann noch ’nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht …“

Gartenirrtümer, Gartenabenteuer, Gartenunfälle, verblüffende Ratschläge über Schnecken, Maschendraht und Laubbläser (eine meiner Lieblingspassagen! :-)) arbeitet er fleißig wie eine Biene und immer humorvoll ab. Sie zu lesen macht mindestens genauso viel Spaß wie das sich hoffentlich daran anschließende Buddeln im Freien. Dabei kann es auch im Topf auf dem Balkon gehen. Garten ist schließlich überall, genauso wie der ewige Giersch!

Als Hobbygärtner jeden Alters findet man sich in den Schilderungen des Autors wieder, dauernd hab ich mich nicht nur beim Schmunzeln, sondern auch beim Nicken erwischt. Besonders im Winter, haben mir seine augenzwinkernd verfaßten Kapitel die Wartezeit auf das neue Gartenjahr verkürzt, denn „Januar und Februar sind kalte Herrscher. Sie sind die Probe des Gärtners, sie testen seine innere Stärke.“ (Zitat Augstein)

Es lebe der Frühling und das Glück im Freien zu sein! Laßt Euch anstecken und genießt das Frühjahr – denn:

„Draußen rast das Leben, aber im Garten ist die Welt noch in Ordnung. Dafür sorgt der Gärtner. Er verwandelt das Chaos der Natur in einen Ort der Idylle“. (Zitat Augstein)

Jakob Augstein wurde 1963 geboren, hat Germanistik, Theater- und Politikwissenschaft studiert. Für „Die Tage des Gärtners“ hat er sich mit Nils Hoff zusammengetan. Hoff studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, arbeitete elf Jahre als wissenschaftlicher Zeichner am Museum für Naturkunde in Berlin. Er illustriert die Kapitel Augsteins mit feiner Feder, trifft szenische Stimmungen dabei ebenso gut, wie die Details einer Blüte.