Petra’s Log Buch Teil 4 

von Longyearbyen (Spitzbergen) nach Akureyri (Island) in 1.040nm

Donnerstag, 06.07.2017, vierter Seetag

Die längste See-Etappe unserer Reise. Wieder werden wir zwei Tage ohne Hafen unterwegs sein. Die ältere Dame, die wir beim Frühstück getroffen haben, kriegt hoffentlich keinen Koller. Meinte sie doch vorhin, wenn sie nicht bald mal wieder einen Baum zu sehen kriege, werde sie verrückt …

Heute zeigt uns das Meer, dass es nicht nur ein „grau“ gibt. Hellgrau, dunkelgrau, graublau, anthrazitfarben liegt die Barentsee vor uns, nach dem wir Spitzbergen wieder verlassen haben. Die Sonne zaubert Spots wie flüssiges Silber auf das Wasser, die Meeresoberfläche liegt glatt wie ein See vor uns. Wie Inseln liegen diese Spots im Dunst. Ist das da Land, oder eine Wolkenspiegelung am Horizont? Wir diskutieren wieder. Ich würde da immer mehr sehen meint mein Mann. Ja, das stimmt wahrscheinlich, denn so hoch oben auf Deck 12 sehe ich nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen.

Moment mal, das da war aber jetzt wirklich eine Wal-Fontäne! Nein, zwei, gleich nebeneinander! Also doch, es gibt sie hier tatsächlich im Polarmeer zu dieser Zeit. Werden sie sich noch mehr zeigen? Einen Kopf, eine Rücken- oder gar eine Schwanzflosse? Gespannt fixieren wir den Horizont. Nein, leider nicht! Für heute tauchen sie ab und nehmen die Bilder von glänzenden Walleibern, die in unseren Köpfen entstehen, wieder mit sich in die Tiefe … 

Um 20:00 Uhr wartet unser Stammplatz im Klanghaus auf uns. Das mich eine Geige so anfassen kann, das mir bei den ersten Tönen die Tränen in die Augen schießen ist nicht neu. Das eine Geige aber Töne hervorbringen kann, die sich wie ein hohes Pfeifen anhören schon. Ein Cello beschwört die Dünen einer Wüste herauf, eine Karawane zieht durch den heißen Sand, dann schwedische Mädchen mit Blumenkränzen im Haar, eine Folklore-Tanzgruppe in der Pußzta. Töne erschaffen nicht nur Klangbilder! 

Was für ein Kontrast! Travestie im Theater mit einem Gastkünstler, Chris Kolonko, der auch schon in good old Las Vegas aufgetreten ist. Steppen kann er und die Männer im Allgemeinen, sowie die in der ersten Reihe im Besonderen, in Verlegenheit bringen. Sehr cool! So jetzt muss ich aber ab in die Heia – morgen will ich wieder früh raus. 

Freitag, 07.07.2017, fünfter Seetag

Ein Staubsauger weckt mich, verdammt, ich habe verschlafen. Zweimal die Uhr umgestellt und ich bin komplett daneben. Meine Augen fühlen sich noch ganz sandig an. Andreas schläft noch, als ich die Wäscheklammern vom Vorhang nehme, die Nachts die Helligkeit aussperren sollen. Erst mal sehen, ob man überhaupt was sehen kann. Mein WOOOW! weckt Andreas. Ich stolpere auf der Suche dem Fotoapparat über meine Hausschlappen, ach ja, Jacke anziehen wäre besser. In Schlafanzug und Fleecepulli stehe ich auf dem Balkon. Vor mir ragt bei strahlend blauem Himmel ein Vulkankegel auf, der rund 2.000m hoch ist, schneebedeckt wie der Fujiama. Ruck, Zuck ist auch Andreas bei mir, er kocht uns einen Kaffee, bringt mir eine Kuscheldecke – mich bringt hier erstmal nichts weg! Häufigst vernebelt, zeigt sich die kolossale Insel heute von ihrer Schokoladenseite und wir haben schon wieder ein Mords-Glück, unsere Kabine liegt auf der richtigen Seite für diese Passage – gut gepokert! Danke auch an unseren lieben Kabinen-Stewart, der uns ganz umsichtig und noch rechtzeitig mit seinem Staubsauger geweckt hat. Ein Goldstück!

Jan Mayen – die einzige Insel im Polarmeer zwischen Spitzbergen und Island gehört zu Norwegen, ist unverkennbar vulkanischen Ursprungs und Naturschutzgebiet. Nach einer Stunde Sonnenbad auf unserem windgeschützten Balkon wird Jan Mayen immer kleiner am Horizont und wir verabschieden uns zum Frühstück. Ich habe doch tatsächlich schon wieder Hunger …

Samstag, 08.07.2017, Akureyri (Island)

Wir sind zeitig auf den Beinen, heute geht es für einen ganzen Tag über Land. Noch bevor unser Schiff fest macht und das Lotsenboot uns längsseitig wieder verläßt (witzig die fotografieren uns!) genießen wir bei strahlendem Sonnenschein den Blick auf die Bucht am Ende des Fjords. Diese Gewässer sollen besonders reich an Walen sein, also heut ist wieder aufpassen angesagt.

Das erste Etappenziel unseres Ausflugs ist der Godafoss, der Wasserfall der Götter. Welches Ereignis hier namensgebend war, da streiten sich die Gelehrten. Häufig wird angenommen zur Zeit der Christianisierung Islands hätten hier die Wikinger ihre Götzenstatuen ins Wasser geworfen um ihrem Glauben abzuschwören. Wir haben schon wieder das herrlichste Wetter. In Pastelltönen liegt dieser Morgen über Nordisland. Die Luft ist klar und das Wasser im Fall schimmert hellgrün.

Eine Schlucht, durch die das klare Wasser stürzt, verbindet zwei Fälle miteinander. Hufeisenförmig, wie aus dem Bilderbuch, der Hauptfall mit einer Breite von 30 Metern und einer Höhe von rund zwölf Metern. Besucher aus aller Welt drängen sich am Rand um die besten Plätze, um einen Blick auf die schönste Stelle zu erhaschen. Auf die Stelle, über die sich heute früh ein Regenbogen spannt. Ich stehe da und staune schon wieder mit offenem Mund. Was für eine Kulisse! Andreas klettert derweil wagemutig über in den Felsen gehauene Stufen abwärts, bis zum Ufer unterhalb des Hauptfalls. Wie sagt er immer so schön – für ein gutes Foto muß man alles machen. Ich beobachte ihn etwas ängstlich, bis er unbeschadet wieder an den oberen Rand des Falls heraufgekraxelt ist. 

Nach diesem beeindruckenden Auftakt geht es weiter zum Myvatn See. Als die Reiseleiterin uns noch im Bus übersetzt was Myvatn See heißt, nämlich Mücken See, fällt es mir auch wieder ein. Na toll! Gestern am Abend hatte ich es noch im Reiseführer gelesen und die armen Touristen verlacht, die hier alljährlich arglos ankommen und gegen die Mückenschwärme kämpfen. Unser eigens mitgebrachtes, tropenerprobtes Insektenschutzmittel steht sicher in unserer Kabine auf dem Schiff. Es geht halt nix über eine gute Reise-Vorbereitung …

Zum Glück stechen diese Mücken nicht, sie fallen uns Menschen nur lästig. Den nur hier vorkommenden Enten und anderen Vogelarten sind sie dagegen Nahrungsgrundlage und Delikatesse. Das tröstet doch! Also dann, unser Busfahrer erinnert uns beim Aussteigen noch, bevor er die Türen aufmacht, dass wir in den Bus eindringende Mücken bitte nicht innen an den Scheiben erschlagen sollen. Es würde ihm immer so viel Mühe machen, die Leichen wieder abzukratzen. Super – dann auf in den Kampf! Mit eingezogenem Kopf steige ich aus und warte darauf, dass mich die Mückenschwärme umzingeln. Mich haben die Mücken auf der ganzen Welt ja ach so lieb. Und? Vereinzelt brummt es, aber es ist nicht weiter schlimm. Schon wieder Glück gehabt. Ob es jetzt am frühen Morgen, dem Wetter oder meinem stets mitgebrachten „Mückenmagnet“ Andreas liegt – egal – ich kann unseren Spaziergang ungestört genießen, und auch Andi bleibt unbeschadet.

Eingebettet in eine riesige Seenlandschaft liegen hier zahlreiche Pseudokrater. Diese Krater von Skutustadir haben selbst nie gespuckt, sie sind aus quasi aufgeplatzten Blasen der zähflüssigen Lava entstanden. Viele sind mittlerweile komplett bewachsen, das satte Grün läßt die Hügel ganz sanft wirken. Am Bewuchs läßt sich erkennen, dass es sich um ein altes Lavafeld handelt, lernen wir.

Mit ausgestrecktem Arm deutet unser Guide in die Ferne, bei bester Sicht ist heute sogar der große Vulkan Islands mit seinem riesigen Gletscher erkennbar, der Vatnajökull. So grün hatte ich mir Island gar nicht ausgemalt. 

Das Lavafelder auch ganz anders aussehen können, erleben wir bei unserem nächsten Stopp. Wie ein Gebirge türmen sich hier die erkalteten Gesteinsmassen von Dimmuborgir („Dunkle Burgen“) auf einem Areal von mehr als einem Quadratkilometer auf. Die erkaltete Hinterlassenschaft eines riesigen Lavasees, rund 2.000 Jahre alt. Schafft man es hier mit dem Blick und dem Herzen eines Kindes durchzuwandern kann man zwischen in den groben Basalttürmen Trolle, Hexen und andere märchenhafte Wesen erkennen. Für viele Isländer gehören Trolle zu ihrem Leben dazu, es gibt hier sogar Touren wo man geführt auf ihren Spuren wandern kann. Ich lasse die Gruppe erst mal vorgehen, tatsächlich verstummt nach einigen Minuten das Stimmengewirr um mich her. Andreas hat sich ebenfalls allein abgesetzt. Man kann den Wind durch die Spalten der bizarren Gebilde pfeifen hören wenn man acht gibt. Die Sonne steht so hinter den Lavabergen, dass sie wie Schattenrisse wirken. Sich vorzustellen, dass all dies einmal flüssig war und rot glühend krieg ich gar nicht hin. Ein Irrgarten der besonderen Art!

Eine Pause um die Eindrücke der ersten Tageshälfte zu verdauen tut jetzt gut. Wie auf Bestellung, Island-Pferde – wie wäre es vor dem Mittagessen mit einem Selfie mit Pferd?Einige der Mitreisenden versuchen es zumindest, die hübschen Pferdchen, die ich mir kleiner vorgestellt hatte, nehmen die Glimmzüge der Touris am Zaun sportlich. Isländische Gelassenheit halt – Wir fallen mit der Gruppe zu einem traditionellen isländischen Essen in ein Hotel ein. Als erstes werden jetzt mal die Toiletten erobert 😉

Zu Mittag gibt es in dem kleinen charmanten Hotel Lachsforelle, Pellkartoffeln und Salat. So gut, unverstellt und bodenständig, dass ich mir gar nicht vorkomme wie auf einem touristischen Ausflug, sondern so als hätten Freunde zum Essen eingeladen. Ob wir zu Hause allerdings eine so gute Lachforelle hätten organisieren können bezweifle ich. Das es in Island den besten Fisch gibt, ist also keine Mär! 

Nachdem Mittagessen brechen wir erneut auf und ganz plötzlich, wie abgeschnitten ändert sich die Landschaft. Auf unserem Weg ein weiterer Hot Pot, ein isländisches Freibad und dann stecken wir auch schon inmitten dieser bunten Berge. Die Klimaanlage schaufelt schon die ersten schwefeligen Schwaden in den Bus noch bevor wir sehen können wo sie herkommen. Der Bus schraubt sich weiter die Bergkehren hinauf in die Höhe. Fassungslos starre ich aus dem Fenster, wenn es ein Bild von Island gegeben hatte, was ich in meinem Kopf verankert hatte, dann war es das hier. 

Für eine Mondlandschaft ist die Erde viel zu farbig, nur auf dem Mars ist sie vielleicht noch so heiß. Es dampft aus allen Spalten, Löchern und Ritzen. Das sehe ich schon von meinem Bussitz aus. Gerade so kriege ich noch mit, wann wir wieder zurück sein sollen, ich muß unbedingt sofort da raus. Andreas kann mir eben noch meine wasserdichte Hose verpassen, er meint es ziehe ein Wetter auf, dafür habe ich längst keinen Blick mehr. Im Ohr behalte ich aber den Hinweis nicht zu nahe an die Löcher heranzutreten und unbedingt auf den abgesteckten, markierten Wegen zu bleiben. Unvorsichtig staunenden haben Spritzer der flüssigen Erde schon das Fleisch von den Knochen gesengt!

Ich hüpfe gerade in meine Schmutzhose, als die ersten Tropfen fallen. Setze meine Kapuze auf und spurte los, mitten rein in dieses Solfataren – Feld. So nennt man auf Island diese blubbernden, schwefeligen Löcher. Es regnet nur leicht und fasziniert sehe ich zu wie die Tropfen beim Auftreffen auf die heiße Erde zischend verdampfen. Das ist mein Island, genau hier wollte ich her, ich habe einen Kloß im Hals! Hier wo die Erde noch im Werden, geologisch gesehen noch ein Baby ist, so muss es in Dantes Hölle riechen. Kommt man dem Dampf näher stinkt es so dermaßen, es ist unglaublich und es gefällt mir empfindlichen Primel trotzdem. Schon nach wenigen Minuten brennen mir die Augen, ich habe Mühe sie noch offen zu halten um zu fotografieren. Die Tränen die mir über das Gesicht laufen ignoriere ich ebenso wie den mittlerweile stärker werdenden Regen. So was habe ich noch nicht erlebt! Die Erde ist durch die Sohle meiner dicken Wanderschuhe hindurch spürbar warm und in den Löchern vor mir brodelt der Schlamm. Wie riesige Pötte mit Schokoladenpudding, den man nach dem Einrühren noch einmal aufkocht. Rund um die Erdlöcher kann man mineralische Ablagerungen in den unterschiedlichsten Farbtönen sehen. Überall umher zischt der Dampf. Unversehens gerate ich auf meinem weiteren Weg in einen Schwefel-Dampf-Nebel, der Wind hatte gedreht. Der heißte Dampf umgibt mich in Windeseile und meine Brille beschlägt. Ich weiß plötzlich nicht mehr wo vorne und wo hinten ist. Das das so warm ist, obwohl ich nicht dicht an der Austrittsstelle stehe  – ein Wahnsinn! Man müsste Schriftsteller sein um diese Eindrücke so in Worte fassen zu können, dass sie auch nur annäherend wiedergeben was das hier mit mir macht. Das hier fasst mich wirklich an! 

Als uns unsere isländische Führerin auf dem Weg hierher erzählt hat, das der Vulkan Hekla schon seit einigen Jahren für einen Ausbruch überfällig ist und deshalb engmaschig von Seismologen überwacht wird, war das vor dem Aussteigen aus dem Bus noch ganz weit weg. Was für ein unglaublicher Druck hier unter der Erdkruste herrscht und das die Isländer wahrlich so leben, als würden sie täglich auf einem Vulkan tanzen, könnte sie uns nicht anschaulicher gezeigt haben. Die große Gelassenheit, die Besonnenheit mit der die Isländer ihre Natur annehmen, ist mehr als beeindruckend. 

Auf dem Rückweg zum Schiff plaudert unsere Reiseleiterin auf uns ein. Sie erzählt jetzt von sich. Viele Isländer haben einen kreativen Nebenjob, malen, zeichnen, machen Musik. sie im Hauptberuf Polizistin, führt in ihrer freien Zeit Besucher über die Insel. Schon als Kind von neun Jahren hatte sie Deutsch lernen wollen. Für die Isländer ist bereits in der Grundschule eine Fremdsprache Pflicht, schließlich verstehe man die sie ja im Rest der Welt nicht mit ihrer eigentümlichen Sprache – und Sie, sie hat sich für Deutsch entschieden. Daran und an ihrer Berufswahl ist eine deutsche Krimiserie schuld. Ausgerechnet Derrick mit Horst Tappert und Harry haben ihr Leben geprägt. Putzig, wie sie bei ihrer Erzählung die Worte verdreht und man ihren isländischen Akzent charmant durchhört. Marie, fare well, dich werde ich wie diesen unglaublichen Ausflug noch sehr lange in Erinnerung behalten!

Auf Wiedersehen Akureyri, schweren Herzens nehmen wir am Abend schon Abschied von der viertgrößten Stadt Islands mit rund 18.000 Einwohnern am Fjord Eyjafjördur. Auf der größten Vulkaninsel der Welt werden wir zum Glück noch einen weiteren Hafen anlaufen. 

Schiff ahoi – ein Wiedersehen gibt es in Reykjavik!

Petra’s Log Buch Teil 3

von Honningsvag (Nordkap) nach Longyearbyen (Spitzbergen) in 528nm

Dienstag, 04.07.2017, dritter Seetag

Die letzten Nachtausflügler vom Nordkap sind aufgesammelt, um 4:00 Uhr früh heißt es Leinen los und auf nach Spitzbergen, das wir am 05.07. gegen 9:30 Uhr erreichen werden. Das Thermometer verspricht sonnige 7 Grad und eine leichte Brise aus Südwest. Kein oder kaum Wind also und trotzdem Dünung? Die Ausläufer eines Island-Tiefs machen das möglich. Auf den Fluren scheint es bei diesem Seegang Löcher zu geben, immer wieder tritt mein Fuß in eine Senke. Besonders auf den Treppen heißt es jetzt gut acht geben, schnell verfehlt man da mal eine Stufe. Würde uns einer beim Gehen auf den langen Fluren beobachten, könnte er meinen wir hätten schon kurz nach dem Frühstück einen im Tee … Leicht schwankend erreichen wir das Theater, hier stimmt uns ein kurzweiliger Vortrag unserer Bord-Lektorin auf den nächsten Hafen in Spitzbergen ein. Ich freue mich auf die Ruhe des heutigen Seetages und darauf einfach mal so einen Tag verdaddeln zu können. Am Abend gibt es ein Konzert „Pop goes Classic“. Das Trio aus Piano, Cello und Geige besteht ganz eindeutig aus Beatles – Fans, interpretiert Hey Jude aber ebenso leidenschaftlich neu wie Nothing else matters von Metallica, oder auch We are the champions von Queen. Das macht Laune. Ach ja, ins Theater wollen wir ja auch noch, heute steht eine Premiere an, es gibt eine Tanz-Show, irgendwer hat noch einen Koffer in Berlin. U.a. zu den Klängen von Peter Fox „schwarz zu blau“ zeigt das Tanz-Ensemble was es drauf hat. Das nenne ich mal ein kontrastreiches Abendprogramm, als Landei genieße ich dieses Angebot in vollen Zügen. Voll von freudiger Erwartung auf die nächsten Eindrücke beschließen wir den Tag.

Mittwoch, 05.07.2017, Longyearbyen 

Wie immer ist unser Kapitän pünktlich. Es ist deutlich an den Temperaturen zu merken, das wir noch weiter nach Norden voran gekommen sind, draussen nieselt es leicht und es hat zwei Grad. Jetzt weiß ich wieder, warum ich lange Unterwäsche, Mütze, Schal und dicke Socken eingepackt habe. Inclusive der Winterstiefel ziehe ich heute alles an, soviel steht fest, denn der Nasen-Test auf dem Balkon hat ergeben, es ist „ars…-kalt“ da draußen. Zum Glück sorgt hier der Golfstrom für ein vergleichsweise mildes Klima an den Küsten, sonst hätte ich mir wohl noch eine Wärmflasche in den Parka gestopft 😉…

Spitzbergen. Die Namensgeber des Eilands ragen wie Zuckerhüte auf und sind schon von weitem zu sehen. Heute haben sich zahlreiche Wolken an ihnen aufgehangen, es sieht aus, als hätten ihre Gipfel Zuckwatte durchstoßen. Auf Norwegisch heißt Spitzbergen „Svalbard“, das meint „raue Küste“, auch dieser Name ist Programm. Karg, aber nicht eintönig. Eine Küste die Jahr ein, Jahr aus Winterstürme aushält, die wir Mitteleuropäer uns gar nicht erst vorstellen mögen. Eiskalt, unwirtlich und doch faszinierend liegt das nördlichste besiedelte Gebiet der Welt vor uns. Knappe 1.300km trennen uns jetzt nur noch vom Nordpol. 

Hier also wohnen Sie noch, die großen Gletscher, die ihre Zungen bis ins Meer hinein strecken und an heute karibisch blau schimmernden Wellen lecken. 60% der Landmasse Spitzbergens ist von ihnen bedeckt, 50% der Insel stehen unter Naturschutz. Die Ufer der von ihnen ausgeformten Fjorde schauen braun und fast feinsandig, wie Strände aus.

Im arktischen Sommer teilen sich etwa 2.400 menschliche Einwohner und ca. 3.000 Eisbären die Inseln. 

Es hat hier klar auch eine Forschungsstation. Zahlreiche Nationen erforschen dieses einzigartige Ökosystem, den Permafrost, sowie die Auswirkungen des Klimawandels. Der Boden taut hier selbst im Sommer nicht weiter als 90cm auf, dies bedeutet auch: Erdbestattungen sind hier untersagt, morbide, ich weiß … Das wäre doch mal Stoff für einen Krimi, oder? So einfach eine Leiche verbuddeln geht hier nicht, die ist auch nach Jahren noch frisch … Gibt es eigentlich Krimis die auf Spitzbergen spielen? Das muss ich unbedingt noch googeln …

Noch eine Besonderheit gibt es hier, vor aller Augen sicher verborgen und tief in einem Berg verschlossen – die „Samenbank der Welt“. Jedes Land konnte hier die Saaten seiner wichtigsten Nutzpflanzen einbringen. Man hofft, sollte es einmal zu einer größeren Naturkatastrophe kommen, hierauf zurück greifen können. Der Wahnsinn!

Die Warnschilder am Ortsrand vor Eisbären sind ernst gemeint und ernst zu nehmen. Ohne Führer und bewaffneten Eisbären-Wächter darf hier niemand eine Siedlung verlassen. Sonst ist ER am Ende verlassen. Eine Wanderung ins Hinterland gilt immer noch als eine großes Abenteuer, so wechselhaft ist das Wetter, so unwägbar die Natur.

Die Hafenstadt Longyearbyen, an der Adventbucht (ich sag’s ja, der Nikolaus kann hier nicht mehr weit sein!) verdankt ihren Namen einem findigem Amerikaner, Mister John M. Longyear, der hier 1906 eine Kohlemine eröffnete und damit die Ansiedlung begründete. Der Isfjord an dem Longyearbyen liegt ist mit 100km der längste Fjord Norwegens.  

Auf uns wartet heute früh ein Katamaran, der hier als Linienschiff verkehrt und uns nach Pyramiden bringen soll. Pyramiden ist eine ehemalige russische Bergbausiedlung aus den neunzehnhundertfünfziger Jahren, die bereits um neunzehnhundertsechzig wieder verlassen wurde. Eine Geisterstadt am Gletscher, dessen Abbruchkante wir von der Fjordseite her anschauen wollen.

Die Russen haben seinerzeit mit Zweijahresverträgen und gutem Geld Arbeiter hierher in die Einsamkeit gelockt um Kohle zu fördern. Ein blühendes Örtchen in der arktischen Einsamkeit, mit Schwimmbad, großer Mensa, Turnhalle, Hotel und natürlich einer Leninstatue im Zentrum. Das klingt echt skuril!

Ein bischen mulmig ist mir schon. Seit dem Frühstück beobachte ich schon das Wetter und besonders den Seegang. Etwa eine Stunde werden wir mit dem Katamaran unterwegs sein und in der Dünung vor der Abbruchkante des Gletschers kreuzen. Bis wir wieder festeren Boden unter den Füßen haben, kann es also noch etwas dauern. Auf dem Hinweg bin ich zwar angespannt, aber es geht alles gut. Breitbeinig stehe ich an Deck, mit dick behandschuten Händen klammere ich mich an die Reeling und staune. Der Wind pfeift mir eisig ins Gesicht, aber ich weiche nicht. Denn obwohl der Himmel bedeckt ist, schillert das Gletschereis in zig Blautönen. Das läßt sich mit der Kamera, stehend auf den schwankenden Blanken gar nicht einfangen. Ich nehme es also fest auf meiner internen Festplatte auf. 

Etwa zwanzig Minuten später dann betreten wir den Anleger von Pyramiden und ich staune schon wieder, als ich aus dem Bauch des Katamarans an Land klettere. Ich komme mir vor, als hätte man mich in ein Filmset von „Mad Max“ oder einer anderen Endzeit-Geschichte katapultiert. Ein Stück Wüste im hohen Norden. Gleich muss doch einer um die Ecke kommen und „Action“ rufen. Geborstene Wasserleitungen, ein uralter Laster aus Sowjetbeständen, der wohl älter ist als ich, verrostete Kräne, verlassene Kohle-Lohren und überall Eisen. Zu Fuß wandern wir etwa einen Kilometer in die verlassene Siedlung, zusammen mit unserem norgwegischen Führer und einer jungen russischen Frau, die uns sowohl fachkundig, als auch bewaffnet mit Schreckschuß-Munition als Eisbären-Wächterin begleitet. Vor drei Wochen erst, so erklärt sie in putzigem Englisch, seien Eisbären im Hafen gesehen worden – man wisse also nie. Schließlich läge Pyramiden auf den Eisbärenwegen … Der Ort verdankt seinen Namen einem Berg, der auf seiner Spitze tatsächlich an eine ägyptische Pyramide zu balancieren scheint. Nahe dem Anleger ein Telefon, mit Kurbel! geschützt unter einem roten Blechdach. Früher hat es wohl mal funktioniert, heute kommunizieren die acht Bewohner Pyramidens meist persönlich. Ein Funknetz gibt es hier nicht. 

Einige der Häuser, Ruinen dürfen wir von innen anschauen. In Deutschland wäre das bei Gebäuden, Wegen und Treppen in diesem Zustand undenkbar. Längst hätten hier Brandschutz und andere Behörden ein „Betreten verboten“ erwirkt. Alles ist voller Scherben, der Strom ist längst abgeschaltet. Überall blättern Putz, Wandfarbe und Lack ab. So könnte es nach einem Atomschlag aussehen, denke ich bei mir und stolpere vorsichtig hinter meinem Vordermann her. Andreas ist wieder einmal zurück geblieben, auf der Jagd nach dem perfekten Motiv. Hoffentlich geht er mir hier nicht verloren … Wir erreichen die Küche der ehemaligen Mensa. Im Treppenhaus vorbei an gut erhaltenen Wandmosaiken. In der Küche sieht aus, als habe es vor dem Verlassen einen Streit gegeben, vielleicht über das Essen? Möbel sind umgestoßen, Kochgeschirr liegt in den Ecken. Ich kann mich kaum losreißen, doch die Gruppe will weiter, wir wollen noch ins Schwimmbad. Auf dem Platz vor der Sporthalle begegnen wir dann Lenin, als Büste und als wir die Schwimmhalle erreichen, dürfen wir nur noch portionsweise eintreten. Auf den dunklen Fluren nehmen wir uns zunächst gegenseitig das Licht. Mir ist gruselig, ich greife nach der Hand von Andreas, hier wird geblieben! Kopfschüttelnd wandere ich mit. Als sich das Dunkel öffnet stehen wir in einer riesigen Schwimmhalle, diese ist lichtdurchflutet, meine Augen müssen sich erst wieder ans Helle gewöhnen. Ringsum sieht man eine Holzvertäfelung, die feudaler nicht sein könnte und noch tip top in Schuß ist. Auch das wasserlose Schwimmbecken, in dem jetzt die Spinnen wohnen, sieht aus, als könne man es sofort wieder befüllen. Die Fliesen sind nahezu unbeschadet. Wir verlassen das Schwimmbad durch die Umkleiden, über eine repräsentative Freitreppe, ein altes Gästebuch liegt verstaubt auf dem Tisch beim Eingang.

Im freien angelangt habe ich noch immer nicht mit dem kopfschütteln aufgehört, das aber mehr aus ungläubigem Staunen als auch Empörung über die Umweltsünde diesen Ort so zu hinterlassen. Er hat einen Charme und einen Spirit in all seiner Abgerissenheit, der mich bis heute beschäftigt. Bei all meinen Reisen habe ich sowas noch nicht einmal annähernd erlebt. Man überlege, so unsere Führerin ein Freilichtmuseum aus den Gebäuden zu machen, das einzige Hotel hat man schon renoviert … Schwer vorstellbar, wenn man sieht wie die Natur sich diesen Ort schon zurück erobert hat. In den Fensternischen der Plattenbauten nisten die Seevögel – ein Wahnsinn!

Schwankend zwischen Nachdenklichkeit und Begeisterung besteige ich wieder unseren Katamaran in Richtung Longyearbyen. Ich versinke in meinem warmen Sitz und checke meine Fotos. Was so geruhsam begann, sollte nicht lange währen. Nach wenigen Fahrminuten nimmt der Seegang zu. Wurden auf dem Hinweg noch Kaffee, Tee und Plätzchen gereicht, gehen jetzt die Brechtüten um. Oh bitte! Das Wasser doch irgendwo versteckt Balken haben muss merken wir jetzt überdeutlich. Der Katamaran hebt sich aus dem Wasser, stemmt sich gegen die Wellen und knallt wieder auf die Oberfläche. Es kracht und wackelt wie die sprichwörtliche Heide. Ich rutsche in meinem Sitz ganz nach unten und packe erst mal meine Rescue Tropfen aus! Diese Schußfahrt dauert etwa 1,5 Stunden, doppelt so lange wie der Hinweg. Währenddessen und auch danach ist mir zwar nicht schlecht, aber ich bin trotzdem wie gerädert.

Im Hafen angekommen, erleichtert wieder festen Boden unter meinen Füßen zu spüren, sehe ich andere Passagiere von einem Rib-Boat klettern, deren Gesichtsfarbe die meine mit Sicherheit übertrifft. Rot gefroren und ordentlich durchgeschüttelt, haben die auch ihr eigenes Spitzbergen-Abenteuer erlebt. 

Am späten Abend dann, gegen 22:00 Uhr hat unser Kapitän wieder eine Überraschung für uns. Wir werden noch einen Abstecher machen in ein nahegelegenes Ford, das Tempelfjord. Hier haben die Berge rings um keine spitzen Kappen, wie ihre der Insel namensgebenen Kollegen, sondern sind platt geschliffen und man meint auf der Talsohle eines Canyons angekommen zu sein. Hier am Ende des Fjords ragt ebenfalls ein Gletscher ins Meer und der erste Offizier will schauen ob es umhertreibendes Eis gibt, welches er fischen und an Bord holen kann. Eine waghalsige Aktion, die nur bei ruhiger See stattfinden kann, das Manöver gelingt. Für alle die mögen, gibt es jetzt Drinks mit Polareis in dieser Polarnacht. Dazu gibt es auf dem Pooldeck ein norwegisches Spezialtäten Buffet mit Suppen an denen man sich die Hände wärmen kann. Witzig – alle bei einem Auslaufen an Deck so dick verpackt zu sehen. Für die dargebotenen Gaumenfreuden habe ich heute keinen Blick, mich fasziniert viel mehr das Kreuzen vor diesem Gletscher. Wie kalt es plötzlich wird, so nahe vor der Gletscherzunge. Alle Decks rase ich ab um den besten Blick aus jeder Höhe zu erhaschen. Jede Perspektive hat ihren eigenen Reitz und da, endlich – Eisberg voraus! Wie eine Riesen-Schildkröte sieht er aus. Der Wahnsinn, meine SD-Karte glüht wieder …

Für mich steht längst fest – ich will wieder kommen, dieses Eiland ist grandios, vielleicht beim nächsten Mal wirklich einen Eisbären sehen, oder zum Beginn des Winters herkommen auf dem Jagd nach dem Polarlicht! Balken im Wasser hin oder her 😉 …

Wir sehen uns, wenn Ihr mögt – unsere Reise geht dann weiter nach Island!

Petra’s Log Buch Teil 2

von Geiranger nach Honningsvag (Nordkap) in 869nm

02.07.2017 Sonntag, zweiter Seetag

An jedem Seetag meldet sich um 9:45h pünktlich unser Kapitän zu Wort. Aktuelles zum Wetter, dem nächsten Hafen, Land und Leuten weiß er zu vermelden. Wenn ich ehrlich bin, am meisten lauere ich immer auf seine Infos zu Wind und Wellen, bin ich doch immer noch ein bischen in Sorge, ob ich das alles auch gut vertrage. Heute werden wir den Polarkreis überqueren, gegen fünfzehn Uhr wird es soweit sein. Scherzhaft meint der Kapitän, da es hier auf dem Wasser nicht zu erkennen sei, würde er für alle die an der Polartaufe nicht teilnehmen mögen, die Hupe drücken. Gut zu wissen, um das Event wollte ich mich doch drücken. Mit zahlreichen anderen einen Fisch küssen und grünes Glibberzeug trinken, das ist irgendwie nix für mich. So genieße ich dann, völlig entspannt auf unserem Kabinenbalkon, windgeschützt und eingekuschelt die Polarkreis-Überquerung – und ich hätte schwören können, nach dem Ertönen der Schiffshupe habe ich einen deutlichen „Hubbel“ gespürt. 😉

Zum Glück waren wir dann doch noch an Deck, wahrscheinlich hat uns die Schadenfreude getrieben, die Polartäuflinge verschmiert und verekelt zu bestaunen. Stattdessen stolpern wir über ein riesiges Dessertbuffet mit frischen schokolierten Früchten und mit allem was das Schokoladen-Herz begehrt. Jetzt erstmal Teller voll und genießen! 

Ab heute wird es also nicht mehr dunkel. Unser Kapitän hat den nächsten Sonnenuntergang erst wieder für in einer Woche, am 09.07.2017 angekündigt. Dann werden wir auf Island sein. Das Reich der Mitternachtssonne ist erreicht, wie es wohl sein wird, um Mitternacht die Sonne noch knapp über dem Horizont zu sehen? Ich bin gespannt, für mich eine Premiere, die ich mit Gänsehaut erwarte.

03.07.2017 Montag, Honningsvag

Die Fahrt entlang der nord-norwegischen Küste rauf zum Nordkap ist bei bester Sicht spektakulär! Hinter den Panoramscheiben spürt man die kühlen und windigen zwölf Grad ja nicht und man könnte meinen, man schwebe an den hawaiianischen Inseln vorbei. 

Als wir gegen siebzehn Uhr Honningsvag erreichen, bin ich schon ganz hibbelig. Wir haben einen Transfer zum Nordkap gebucht und wollen mit einer der ersten Touren rauf. Das kleine Örtchen Honningsvag, mit seinen bunten Häuschen, lebt vom Fischfang und klar, vom Nordkap. Einst wurde behauptet der Nordkap-Felsen sei der nördlichste Punkt Europas und hier wollte jeder Nordland-Reisende dann auch einmal gewesen sein. Korrekterweise ist das Nordkap der nördlichte auf dem Landweg erreichbare Punkt Europas. Ein benachbartes Kap, die Felsspitze Knivskjelodden, liegt noch etwas weiter nördlich ist aber nur mit dem Boot erreichbar. Wir befinden uns jetzt in der norwegische Provinz Finnmark, auf der Insel Margeroya, was übersetzt soviel wie „die magere Insel“ heißt. Auf den ersten Blick mutet die Vegetation hier wirklich mager an, beim zweiten Blick entdeckt man auf den Felsen dann aber eine Farbigkeit, die von einer bestimmten Flechtenart herrührt. Wegen dieser Flechte hat Mageroya im Sommer nicht nur zahlreiche zweibeinige Besucher, sondern vor allem auch eine Vielzahl an vierbeinigen Gästen. Die Sami bringen hier ihre großen Rentierherden her und zwar per Fähre vom Festland. Haben sich die Tiere dann über den Sommer „vollgefressen“ sind sie stark genug um für den Winter die Strecke von zwei Kilometern zurück zum Festland zu schwimmen! Das muss ein Mordsspektakel sein. Ob wir wohl Rentiere sehen werden?

Der Weg hinauf zum Kap führt über eine schmale, mittlerweile zwar asphaltierte, aber immer noch holprige Straße und durch zahlreiche Kurven. Diese Kehren sind es, die immer wieder einzigartige Blicke in die Weite erlauben, man wähnt sich kaum hat man die Ortsgrenze verlassen in einer Mondlandschaft.

Auf dem Nordkap-Plateau angekommen, empfängt uns ein recht kaltes Lüftchen. Meine Finger sind schon nach den ersten Fotos eiskalt. Da mache ich doch erst mal Pause und schaue mich in Ruhe um. Hier oben steht eines der häufigsten Fotomotive Norwegens, ein Globus aus Metall, er soll eben jenen nördlichsten Punkt markieren und er ist umschwärmt wie ein Bienenstock. Ich hatte ihn mir irgendwie größer, höher vorgestellt und bin etwas verblüfft was ein Foto doch für Erwartungen wecken kann. Cool finde ich es hier aber dann doch, denn allein die Touristen in all ihren schrägen Posen zu beobachten, im Versuch diesen Globus auf den Schultern, den Händen oder sonst wo zu tragen ist irre. Noch ein Schritt weiter und der Abgrund ruft … Etwas abseits dieses Trubels kann man sich hier in Ruhe auf die beeindruckende Küste und die raue Schönheit des Plateaus konzentrieren und natürlich auf die Sonne! Heute Abend ein Traum in Pastell …

Das nördlichte Postamt! Das hatte ich mir auch anders vorgestellt, mehr wie ein Postamt halt. Gesehen hatte ich irgendwo mal ein rotes Holzhäuschen mit Schalter und Mensch. Jetzt gibt es leider nur noch einen roten Briefkasten in einer Ecke der riesigen Nordkaphalle. Ein bischen ist die Halle wie ein norwegisches Disneyland, mit Cineplex, ausgestopften Seevögeln, tief unten eine kleine Kapelle in der man auch heiraten kann, eine Eisgrotte mit Light-Show, Restaurant, Kaffee. Auf dem Weg in die Tiefe eine Ausstellung über die Geschichte des Kaps. Das ist mir ein bischen too much und nicht mehr wirklich romantisch. Ich kann es dann aber, wie viele andere auch, trotzdem nicht lassen und schreibe meinem Mann eine Postkarte. Mal sehen ob sie ankommt …

Auf dem Rückweg, begegnet uns eine größere Gruppe Radfahrer. Respekt, sich diesen tour-de-france-reifen Anstieg anzutun und das bei den Temperaturen. Urlaub sieht halt für jeden anders aus. Da! Da war ich doch tatsächlich mal einen Moment abgelenkt, als unsere norwegische Busfahrerin bremst, diese Vierbeiner haben hier immer Vorfahrt: Rentiere, sogar mit Jungtieren! So ein Glück aber auch, quasi auf dem Heimweg. Jetzt da bin ich sicher, kann der Nikolaus auch nicht mehr weit sein 😉.

Zurück im Hafenstädtchen Honningsvag herrscht zu später Stunde tatsächlich ein seltsam ungewohntes Zwielicht in dem die schwach glimmenden Straßenlaternen irgendwie deplatziert wirken. Wir unternehmen noch einen Spaziergang in die Stadt, finden sogar die Eisbar, die hier ein spanisches! Ehepaar betreibt. Wäre mir nicht eh schon so kalt und müßte man nicht in Schutzkleidung um bei dort drin bei – 5 Grad nicht festzufrieren, hätte ich mich vielleicht locken lassen. 

Zwei überlebensgroße Trolle bewachen den Hafen-Eingang und flankieren ein Hunde-Denkmal. Dieser treue Kerl stammte aus Honningsvag, Bamse mit Namen und ein Bernhardiner von Herkunft, war zu Zeiten des zweiten Weltkriegs offizieller Teil einer Schiffs-Crew der alliierten Streitkräfte. Ihm wurde sogar in Schottland ein Staatsbegräbnis zu Teil, achthundert Menschen haben ihn zu Grabe getragen. Bamse war für seine Fürsorge um seine Crew bekannt, mit Matrosen-Mütze und Dauer-Busfahrkarte um den Hals, nutzte er die öffentlichen Verkehrsmittel um des nächtens seine Seemanns-Kollegen aus den Hafenkneipen einzusammeln. 

Was für eine Geschichte, was für ein Tag! Zu Hause wäre ich längst müde, hier hält uns bei dieser Helligkeit eine seltsame Engerie vom Schlafen ab. Plötzlich scheint es gar nicht mehr abwegig, was ich gestern noch belächelt habe, dass die Norweger nämlich des nächtens um eins auch schonmal noch den Rasen mähen.

Morgen früh um 4:00 Uhr werden wir in Honningsvag ablegen und wieder in See stechen in Richtung Svaldbar. Die Barentsee wartet!

Wir sehen uns, ich berichte kommende Woche aus dem arktischen Spitzbergen …

Petra’s Log Buch Teil 1

Von Kiel über Bergen (Norwegen) nach Geiranger

„Wenn Einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“, sagt man ja landläufig. Bei meinen ersten längeren Reisen habe ich mich vor vielen Jahren an Reisetagebüchern versucht. Zumeist habe ich es dann nicht durchgehalten, kam mit dem Schreiben bei der Vielzahl an Eindrücken oft einfach nicht hinterher und habe es dann, wenn auch mit Inbrunst in den ersten Reisetagen begonnen, doch wieder aufgegeben. Diesmal soll es anders sein. Diesmal will ich durchhalten. Ganz bin ich während der Reise nicht fertig geworden, doch jetzt zu Hause, wo das Wäsche waschen, das Bügeln, das Unkrautzupfen und die ersten Arbeitstage mich wieder haben, nutze ich das Niederschreiben um Erlebtes zu verarbeiten, beschwöre die schönsten die Bilder noch einmal herauf, lese die Kapitel meinem Mann vor, bin erstaunt was ihm an Kleinigkeiten ergänzend zu mir noch im Kopf geblieben ist. 

Im Winter in die Sonne fahren, dem schlechten Wetter Ade sagen, das klingt verlockend. Erzählt man aber, man packe für eine Reise Ende Juni Mütze, Schal, Handschuhe, lange Unterhose und Winterstiefel ein, erntet man auch schon mal ungläubige oder mitleidige Blicke. Fragen wie „was suchen Sie denn da?“ hat man mir gestellt und trotzdem wollte ich genau da hin.

Faszination Nordland, was es damit auf sich hat kann ich auch nicht genau bestimmen. Kargheit, taghelle Nächte, eisige Kälte, den Nordpol in greifbarer Nähe, vielleicht Wale, Eisbären oder gar Eisberge sehen, Fjordlandschaften, knuffige Hafenstädtchen und nicht zu Vergessen immer wieder auch das Meer als Hauptdarsteller. Das zumindest zog mich an. Je näher dann der Abreisetag kam, desto intensiver betete ich für gutes Wettter. Vieles wollte ich kennenlernen, nicht aber ein „Island-Tief“ aus stürmischer Nähe. Schließlich ging es diesmal nicht nur in die Ost-und Nordsee. Nein, das Polarmeer, die Barentsee und der Nord-Atlantik wollten gequert werden und ich war mir nicht sicher, wie weit es im Extremfall bei mir Landei mit der Seefestigkeit aussah. 

28.06.2017 Mittwoch

Kiel – Einschiffung

Die A7 der Zunkunft wurde uns auf den Autobahnschildern von Hamburg bis Kiel versprochen. Das war mir nach den ersten dreißig Minuten Stau stehen schon so was von egal! Liebe Stadt Kiel, bitte verzeih mir, das mir Motivation und Energie nach über 40km Stau vor deinen Toren gefehlt haben um dich noch zu entdecken. Ich wollte endlich angekommen sein und nur noch an Bord. Das ist ja das schöne an einer Seereise. Hat man erst den Check-In hinter sich gelassen, beginnt der Urlaub mit dem ersten Schritt auf’s Schiff. Dann am Heck stehen und bei ruhiger See dem Strudel zuschauen, den die Schiffsschraube aufwirbelt, hinter uns am Horizont werden Häuser und Küste kleiner – einfach alles hinter sich lassen! Gedanklich bin ich schon jetzt ganz weit weg von meinem Alltag. Auch in Kilometern wird es eine weite Reise. Insgesamt werden es am Ende 4.989nm (nautische Meilen) sein, die wir mit dem Schiff zurücklegen. Das sind knapp 10.000km, eine nautische Seemeile entspricht ca. 1,8km. Wenn wir dann die An-und Abreise mit dem PKW mitrechnen rubbeln wir 11.600km in diesen Ferien ab. 

29.06.2017 Donnerstag

1. Seetag – von Kiel nach Bergen in 597nm

Die erste Etappe! Achtzehn Reisetage liegen zum Aufbrauchen vor uns und von mir fällt endlich die Anspannung ab. In meinem Hinterkopf steckt in den letzten Tagen vor Urlaubsantritt immer die Furcht nicht rechtzeitig anzukommen, oder dass am Ende irgendetwas die Reise doch noch verhindern könnte. Da bringt mich jeder Husten, jeder Stau auf der Autobahn aus dem Gleichgewicht. Mit straff gespannten Haarspitzen und schwitzigen Händen sitze ich dann im Auto und bin froh das wenigstens mein Mann einen gelassenen Eindruck macht und es mit mir Nervenbündel aushält.

Das erste Aufwachen an Bord nach einer sanft in den Schlaf geschaukelten Nacht, der erste Seetag und jetzt das erste Frühstück ohne Zeitdruck. Wie ich das genieße! Frisch gebackenes Brot aus der bordeigenen Bäckerei, der Duft alleine ist schon wie Urlaub. Dann dieses eine Brot auf das wir uns schon seit Wochen freuen, davon könnte ich mich die ganze Reise über ernähren. Könnte, wenn es nicht so viele andere Leckereien geben würde, die noch probiert werden wollen. Wohlweislich habe ich mir zwei Hosen je eine Nummer größer gekauft und mitgenommen. Kalorien werden erst wieder zu Hause gezählt! Das Wetter ist durchwachsen und war schon beim Ablegen in Kiel kühl und es hat leicht geregnet. Es scheint als seien die mitgebrachte Allwetterkleidung, sowie Schal, Handschuhe und Mütze eine gute Idee gewesen. Mal schauen!

30.06.2017 Freitag

Bergen

Und schon wieder ein erstes Mal. Der erste Landgang der Reise. In Bergen, der regenreichsten Stadt Norwegens. So geht jedenfalls die Rede. Auf dem Weg hierher, habe ich noch zu meinem Mann gesagt, diesmal werden wir wohl einen anderen Eindruck von Bergen gewinnen als den, den wir vor vier Jahren hatten. Damals war der Himmeln knallblau gewesen und nach Frühnebel kletterte das Thermometer auf vierundzwanzig Grad. Als der Kapitän dann am Vorabend dieses Landgangs ankündigte es seien Sonnenschein und über zwanzig Grad zu erwarten, konnten wir unser Glück kaum fassen. So meinte es der Wettergott dann tatsächlich auch gut mit uns und wir hatten Traumwetter für unseren selbst organisierten Stadtspaziergang. Diesmal haben wir keinen Streß, müssen nicht vor allen anderen zügig zur Floibahn hasten um auf den Hausberg mit dieser steilen Zahnradbahn zu kommen. Die Aussicht von dort oben auf die Stadt und den Fjord ist toll, kann uns aber heute nicht locken. Gemütlich bummeln wir von unserem Liegeplatz durch die Fußgängerzone vorbei am Theaterviertel und an zahlreichen Brunnen durch die die Kinder mit nackten Füßen flitzten, als wären wir irgendwo am Mittelmeer. Eine entspannte Stimmung liegt über der Stadt, alle Einwohner und Touristen genießen die Sonne. Der Kapitän muss sich verfahren haben, das hier kann doch nicht Norwegen sein? Oh doch, kein Zweifel möglich, die Möwen die über dem Fischmarkt kreisen, künden von Lachs, Königskrabben und Stockfisch. Jetzt eine Pause und die Atmosphäre tief einsaugen. Tatsächlich ist direkt an der Mole eine Bank frei und es legt ein kleines Segelschiff an, auf das gut gelaunt junge Leute steigen. Hier in Norwegen ist die Lebensqualität eine hohe, das glaube ich auf’s Wort. Dafür nehmen die Norweger auch hohe Lebenshaltungskosten in Kauf, die sie bequem und ohne Gebühren mit der Plastikkarte zahlen. Sogar das Bargeld komplett abschaffen wollen sie mittelfristig. Wirklich „kleine“ Preise gibt es hier aber auch offenbar nicht. Eben sind wir an einer Eisdiele vorbeigekommen, wo mein Mann den Preis für eine Kugel umgerechnet mit zwei Euro sechzig ausgemacht hat. In norwegischen Kronen sehen die Preise dann gleich doppelt erschreckend aus, gar nicht mehr gewöhnt bin ich es in meinem Portemonnaie in fremdem Geld zu wühlen, Scheine und Münzen mehrfach in der Hand zu drehen, so sehr bin ich mittlerweile an die Währungsallzweck-Waffe Euro gewöhnt. Von unserem Platz am Hafen haben wir einen schönen Blick auf die Altstadt Brüggen mit ihren bunten Holzhäusern und engen verwinkelten Gassen, auch sie haben wir zu Fuß erkundet. Das geht mit Einlesen auch ohne Führer wunderbar. Zurück auf dem Schiff drehe ich eine Runde im Pool zur Entspannung. Lasse mir anschießend die Sonne auf unserem Balkon auf den Bauch scheinen und der Gedanke an Handschuhe und Mütze ist gaaanz weit weg …

01.07.2017 Samstag

von Bergen nach Geiranger ein Katzensprung mit nur 210nm

Mein Wecker klingelt um 5:30h und ruck zuck bin ich raus aus den Federn. Ich habe heute früh einen Termin mit einem UNESCO Weltnaturerbe, dem Fjord der Fjorde – dem Geiranger. In dem norwegischen Wort Geiranger steckt das Word Fjord schon drin, habe ich gestern von unserer Bordlektorin gelernt, es reicht also der Geiranger zu sagen. Wie auch immer, obwohl ich schon einmal hier gewesen bin, möchte ich auf keinen Fall die Einfahrt in den Fjord versäumen, auch dann nicht, wenn wir heute am Abend auf dem gleichen Weg wieder zurück fahren. In diesen frühen Morgenstunden scheinen die knapp zweitausendfünfhundert Passagiere schon alle auf den Beinen und auf den verschiedenen Außendecks bis hin zum Schornstein verteilt zu sein. Es herrscht teils verschlafene, teils erwartungsvolle Stille. Auch das gehört im Geiranger dazu, diese Ehrfurcht, die einen erfaßt, wenn man zwischen diesen steilen Wänden hindurch gleitet und links und rechts auf Wasserfälle schaut, in die die Morgensonne Regenbogen zeichnet. Es ist noch kalt so früh am morgen, spiegelglatt ist das Wasser und nur unser Schiff kräuselt es leicht, sanfte runde Wellen laufen zu den steil aufragenden Ufern hin aus. Dünne Nebelschwaden überziehen einige Felsvorsprünge, als habe sich der Fjord für uns ein Seidentuch umgelegt. Etwa vierzig Minuten gleiten wir durch diese beeindruckende Szenerie. Dann wartet erst mal ein Frühstück, bevor wir unseren Tagesausflug starten. Kaum geankert erwartet mich dann die nächste Premiere, der Gang über einen „Seewalk“. Heute wird hier im Fjord nicht mit kleinen Beibooten getendert, denn am Anleger direkt ankern geht hier nicht. Wir verlassen über eine rund 300 Meter lange schwimmende Brücke im Zick Zack verlegt das Schiff und können so über das glasklare, spiegelglatte Fjordwasser spazieren. 

Auf uns wartet der Dalsnibba, ein Berg am Fjordende mit einem Hochplateau. Dort auf rund 1500 Metern soll noch Schnee liegen. Im Sommer ist es hier normal im Tal im T-Shirt zu starten und auf dem Berg nach einer Steppjacke zu dürsten. Als wir bei etwa 1000 Metern die Baumgrenze erreichen, haben wir schon spektakuläre Ein-und Ausblicke auf den Fjord und unser Schiff erhaschen können. Zahlreiche kristallklare Bäche springen über die Felsen, zu Beginn des Anstiegs sind die Wiesen beinahe grüner als im Allgäu. Für mich aber ist der Stopp für eine Kaffeepause auf dieser Tour ganz klar das Highlight. Nein, nicht wegen der putzigen Vintage-Blech-Kaffeekanne aus der ausgeschenkt wird damit wir uns die Hände wärmen können oder wegen des norwegischen Kaffeegebäcks. Nein, die Bergstation liegt an einem riesigen tiefen Gletschersee, der aufgetaut stahlblau und dort wo er noch zugefroren ist, eisglitzernd in der Morgensonne liegt. Ich gerate in einen Fotorrausch und drohe meine SD Karte zu sprengen … 

Nach der Rückkehr im Fjordzentrum lernen wir, wie einsam das Leben und wie beschwerlich das Bewirtschaften der kleinen Bauernhöfe ist, die hier hoch oben auf den Fjordfelsen liegen. Alles muß mit dem Schiff heran geschafft und dann zum Teil mit der Hilfe von Nutztieren hinauf getragen werden. Felsstürze, und Lawinen im Winter, das Postschiff als einzige Unterbrechung in dieser Abgeschiedenheit. Ein hartes Los, aber eine langjährige Tradition, für deren Erhalt sich die norwegische Königsfamilie persönlich einsetzt, auch den Wiederaufbau dieser alten Bauernhöfe unterstützt. Die gekrönten Häupter haben hier sogar ihre Silberhochzeit gefeiert. Wie herrlich bodenständig, naturverbunden und unverstellt diese Norweger doch sind!

Wir erklimmen noch eine letzte Serpentinenstraße, die zu einem weiteren Aussichtspunkt führt, die Adlerkehren. Hier herrscht dann so richtig Halligalli, wie auch schon unten im kleinen Örtchen Geiranger in der kurzen Sommersaison. Die Adlerkehren ist eine Kurve die Einblick auf den unteren Teil des Fjords mit dem Wasserfall die „sieben Schwestern“ gewährt und ist sehr begehrt. Die Fälle führen nur mit allen sieben Kaskaden Wasser, solange die Schneefelder auf den umliegenden Bergkappen noch nicht ganz abgeschmolzen sind. Dann so sagt man, sind alle sieben Schwestern zu Hause. Hier an der Adlerkehren kommt man kaum über die Straße, so voll ist es hier und es macht deutlich, dass dies ein Hotspot ist, der bei Touristen aus aller Herren Länder hoch im Kurs steht. Also, früh aufstehen lohnt hier und los legen bevor die Tagestouristen wach sind.

Das haben wir uns aber mal so richtig gut ausgedacht! Wir sitzen gegen 19 Uhr gemütlich im Restaurant auf Deck 12, vor einem leckeren, selbst zusammengestellten Käseteller und zwei Gläsern Rotwein und bestaunen die Fjordausfahrt. Es ist uns gelungen auf steuerbord (wichtig wegen der Aussicht auf die „sieben Schwestern“!) einen Fensterplatz zu ergattern, so genießen wir einen Panoramablick durch bodentiefe Fenster, diesmal auf Augenhöhe mit den Fällen, eine ganz neue Perspektive. Doch was ist das? Damit war jetzt aber wirklich nicht zu rechnen, muß doch unser Kapitän jedes Manöver sowohl mit der Reederei als auch mit dem Lotsen, der bei jeder Fjordfahrt an Bord ist abstimmen. Die Maschine stoppt – und unser riesiges Schiff dreht sich, mitten im Fjord zwischen den beiden schönsten Wasserfällen den „sieben Schwestern“ auf steuerbord und dem „Freier“ auf backbord, einmal um die eigene Achse. Man meint die Felswände mit den Händen berühren zu können. Unfassbar! 

In Hellesylt dem nächsten Ort nahe der Einfahrt in den Geiranger, sammeln wir dann noch ein paar Ausflügler ein, nachdem unser Schiff an einem schwimmenden Polter festgemacht hat, der aussieht wie ein riesiger Badewannenstöpsel. Wir dürfen so noch einen weiteren Wasserfall bestaunen, der mich an die Rheinfälle bei Schaffhausen erinnert. Ohrenbetäubend stürzt das Wasser über die Mitte des kleinen Örtchens in den Fjord. Im kleinen Boot des Hafenteams, das den „Stöpsel“ umrundet, sitzt vorwitzig ein Hund als Steuermann im Bug und kontrolliert ob alle Leinen auch schön festgezurrt sind. Putzig! Von unserem Logenplatz aus luftiger Höhe können wir das und auch das Ablegemanöver bestens beobachten. Als dann bei der Abfahrt das Schiffshorn ertönt ist das einfach nur großes Kino!

Zahlreiche Möwen begleiten neugierig das Schiff auf seinem Weg aus dem Fjord zurück ins Meer. Morgen werden wir wieder auf See sein, und auch übermorgen bis 18 Uhr, auf unserem Weg nach Honnigsvag, am Nordkap.

Fortsetzung folgt …