Das Glück liegt in den kleinen Dingen …

… oder in einem Augenblick, so sagt man.

Man kann es jagen, finden und verlieren, genießen oder auch zerstören. Ganz gleich, was Ihr Euch für dieses Jahr vorgenommen habt, ob Ihr Glücksritter oder Glückskind seid, ich wünsche Euch einen ganz Sack voll Glück, Zufriedenheit, Liebe und Gesundheit.

Ich freue mich auf ein weiteres Jahr mit Euch, es gibt noch so viele schöne Geschichten zu entdecken. Möge auch in Ihnen eine Prise Glück für uns stecken, eine Prise Leseglück  …

Nachdem Fontane mir den guten Vorsatz für dieses Jahr geliefert hat, möchte ich mit Hermann Hesse dieses Jahr beginnen, denn er hat von Beginn an, mit seinen Versen einen festen Platz in meiner „Apotheke“:

Glück     (Hermann Hesse) ausDie Gedichte„, InselTaschenbuch, Seite 286

  • Solang du nach dem Glücke jagst,
  • Bist du nicht reif zum Glücklichsein,
  • Und wäre alles Liebste dein.
  • Solang du um Verlornes klagst
  • Und Ziele hast und rastlos bist,
  • Weißt du noch nicht, was Friede ist.
  • Erst wenn du jedem Wunsch entsagst,
  • Nicht Ziel mehr noch Begehren kennst,
  • Das Glück nicht mehr beim Namen nennst,
  • Dann reicht dir des Geschehens Flut
  • Nicht mehr ans Herz, und deine Seele ruht …

    Bleibt neugierig!

    Von Herzen, Eure Petra

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    Am Weihnachtsabend …

    … kommen wir zur Ruhe, oder zur Besinnung? Wir blicken nach vorne oder auch zurück. Ob im Kreise von Familie, Freunden oder alleine – dieses Fest einmal im Jahr ist immer auch eine Herausforderung. Will genossen oder gemeistert werden. Ein Stuhl bleibt in diesem Jahr an unserem Tisch erstmals leer.

    Wir werden still, nachdenklich oder wehmütig. Singen in der Kirche oder unterm Weihnachtsbaum laut und falsch. Essen viel zu viel, machen eine Schneeballschlacht oder ducken uns im Regen unter unseren Schirmen weg, freuen uns auf das was vor uns liegt. Bescherung!

    Fühlt Euch gedrückt von mir, genießt die Zeit! Denkt daran, in jeder Minute, auch in der allein verbrachten, wohnt ein Zauber, den wir nur vielleicht, eventuell, gegebenenfalls noch nicht entdeckt haben …

    Weihnachtsabend (Hermann Hesse) aus „Die Gedichte“, Insel Taschenbuch, Seite 752

    • Am dunklen Fenster stand ich lang
    • Und schaute auf die weiße Stadt
    • Und horchte auf den Glockenklang,
    • Bis nun auch er versungen hat.
    • Nun blickt die stille reine Nacht
    • Traumhaft im kühlen Winterschein,
    • vom bleichen Silbermond bewacht,
    • In meine Einsamkeit hinein.
    • Weihnacht! – Ein tiefes Heimweh schreit
    • Aus meiner Brust und denkt mit Gram
    • An jene ferne, stille Zeit,
    • Da auch für mich die Weihnacht kam.
    • Seither voll dunkler Leidenschaft
    • Lief ich auf Erden kreuz und quer
    • In ruheloser Wanderschaft
    • Nach Weisheit, Gold und Glück umher.
    • Nun rast‘ ich müde und besiegt
    • An meines letzten Weges Saum,
    • Und in der blauen Ferne liegt
    • Heimat und Jugend wie ein Traum.

    Eine Frohe Weihnacht Euch! 

    Von Herzen, Eure Petra

    Der Knabe im Moor (Annette von Droste-Hülshoff)

    Kurz noch einmal innehalten, bevor mich beruflich der Weihnachts-Streß einholt. Privat hab‘ ich ihn längst abgeschafft, verblüfft es mich Jahr für Jahr aber immer noch ungebremst, wie überraschend für viele doch Weihnachten kommt. Der Kühlschrank noch leer, es fehlt gar das Geschenk für die Ehefrau noch am Heiligabend – so manch einer scheint diesen Druck gar zu brauchen – wer weiß? 

    Es ist schon ein paar Jährchen her, da verschlug es uns erstmals Ende November zum Durchatmen in’s Biospärenreservat Hoch-Rhön und bald schon schlurften wir bei einem Spaziergang unsicher im Nebel über einen aus Block-Bohlen ausgelegten Weg. Eiskalt, feucht, rutschig und ich durchaus angstvoll. Es raschelte und knisterte allenthalben, unsere Fotos sahen danach aus, als hätten wir sie aus einem alten Edgar Wallace Film rausgeschnitten. Diese Stimmung, bang, gruselig und magisch zugleich fängt ein Gedicht wunderbar ein – hört mal: 

    Der Knabe im Moor (Annette von Droste-Hülshoff

    • O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
    • Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
    • Sich wie Phantome die Dünste drehn
    • und die Ranke häkelt am Strauche,
    • Unter jedem Tritt ein Quellchen springt,
    • Wenn es aus der Spalte zischt und singt! – 
    • O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
    • Wenn der Röhricht knistert im Hauche!
    • Fest hält die Fibel das zitternde Kind
    • Und rennt, als ob man es jage;
    • Hohl über die Fläche sauset der Wind –
    • Was raschelt drüben im Hage?
    • Das ist der gespenstische Gräberknecht,
    • der dem Meister die besten Torfe verzecht;
    • Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!
    • Hinducket das Knäblein sich zage.
    • Vom Ufer starret Gestumpf hervor,
    • Unheimlich nicket die Föhre,
    • Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,
    • Durch Riesenhalme wie Speere;
    • Und wie es rieselt und knistert darin!
    • Das ist die unselige Spinnerin,
    • Das ist die gebannte Spinnenlenor‘,
    • Die den Haspel dreht im Geröhre!
    • Voran, voran! Nur immer im Lauf,
    • Voran, als woll‘ es ihn holen!
    • Vor seinem Fuße brodelt es auf,
    • es pfeift ihm unter den Sohlen,
    • Wie eine gespenstische Melodei;
    • Das ist der Geigemann ungetreu,
    • Das ist der diebische Fiedler Knauf,
    • Der den Hochzeitsheller gestohlen!
    • Da birst das Moor, ein Seufzer geht!
    • Hervor aus der klaffenden Höhle;
    • Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:
    • „Ho, ho, meine arme Seele!“
    • Der Knabe springt wie ein wundes Reh;
    • Wär’n nicht Schutzengel in seiner Näh‘,
    • Seine bleichenden Knöchelchen fände spät
    • Ein Gräber im Moorgeschwehle.
    • Da mählich gründet der Boden sich,
    • Und drüben, neben der Weide,
    • Die Lampe flimmert so heimatlich,
    • Der Knabe steht an der Scheide.
    • Tief atmet er auf, zum Moor zurück
    • Noch immer wirft er den scheuen Blick:
    • Ja, im Geröhr war’s fürchterlich,
    • O schaurig war’s in der Heide!

                                                                               (Bildquelle: Pixabay)

        Novembertag

        Donnerstag, 09.11.2017

        Regennaß und kalt, diesig, neblig, stürmisch. November. Zu diesem Monat fallen mir spontan meist solche Begriffe ein. Der goldene Oktober liegt jetzt hinter uns, der Dezember, die Adventszeit mit ihren strahlenden Lichtern noch vor uns. 

        Im November greift die erste winterliche Melancholie nach mir, grad wo ich mich im Garten von den letzten Blüten verabschiedet, die letzten Laubhaufen zusammen gefegt habe. Bang könnt einem werden, gäbe es da nicht diese guten Geschichten, die im Haus jetzt auf mich warten. Mit einer dampfenden Tasse auf dem Sofa oder im Lieblingssessel eingekuschelt, abtauchen in ferne Welten und spannende Abenteuer. Mitfiebern mit tapferen Heldinnen und Helden, Tränen mit ihnen vergießen oder laut auflachen, erleichtert mit heiler Haut noch einmal davon gekommen zu sein.

        Also – genießt mit mir auch die trübsten Tage, denn wir haben das schönste Hobby der Welt! 

        Zum kurz mal aufatmen hab ich hier noch was für Euch nachgeschlagen in meinem Lieblings-Gedicht-Band:

        Nächtlicher Weg (Hermann Hesse) aus „Die Gedichte“, Insel Taschenbuch, Seite 481

        • Schuh um Schuh im Finstern setz ich,
        • Nacht umgibt micht sanft und groß,
        • An betauter Mauer netz ich
        • Hand und Stirn im feuchten Moos.
        • Dunkel gegen Luft und Sterne
        • Wiegt sich der Akazienbaum,
        • Lichter blitzen in der Ferne,
        • Doch die Nähe ahn ich kaum.
        • Liebe zieht am Zauberfaden
        • Alle Ferne mir ans Herz,
        • Pol-Stern rufen und Plejaden
        • Ihren Bruder himmelwärts.
        • Aller Welt bin ich verbunden,
        • Allem Leben aufgetan,
        • Habe neu die Bahn gefunden,
        • Die mich hält im Weltenplan.

        Ach ja …

        Ich fragte dich (Hermann Hesse)

        Petras Bücher-Apotheke – heute mal romantisch und ohne weitere Worte, weil er stets die besseren findet:

        Ich fragte dich 

        (Auszug aus Die GedichteHermann HesseInsel Taschenbuch S. 61)

        • Ich fragte dich, warum dein Auge gern
        • in meinem Auge ruht,
        • so wie ein reiner Himmelsstern 
        • in einer dunklen Flut.
        • Du sahest lang mich an, 
        • wie man ein Kind mit Blicken mißt,
        • und sagtest freundlich dann:
        • Ich bin dir gut, weil du so traurig bist.

        ….

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        Herbstbeginn (Hermann Hesse)

        Einverstanden! Denn keine Jahreszeit zaubert so ein schönes Licht wie der Herbst. Die Falten der Natur zeichnet er mit Dunstschleiern weich, der erste Rauhreif überzuckert früh die Wiesen, pastellfarben liegt der Abendhauch über den Dächern …

        .
        Auszug aus Herbstbeginn (Die Gedichte, Hermann Hesse, Insel Taschenbuch, S. 285)

        • Der Herbst streut weiße Nebel aus, 
        • es kann nicht immer Sommer sein!
        • Der Abend lockt mit Lampenschein, 
        • mich aus der Kühle früh ins Haus.
        • Bald stehen Baum und Garten leer, 
        • dann glüht nur noch der wilde Wein,
        • ums Haus und bald vergüht auch der, 
        • es kann nicht immer Sommer sein …

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        Gärtner träumt (Hermann Hesse)

        Der Herbst ist nicht mehr weit, in unserem Garten wirbelt der frische Wind schon die ersten Blätter von Bäumen und Sträuchern in die Ecken. Jetzt träumt mein Gärtner-Herz vom Blütenrausch des Sommers und vom Farbenrausch des Herbstes. Ja, und es gibt da einen, der diese Stimmung mit den richtigen Worten einfängt. Meinen Lieblings-Dichter Hermann Hesse kennt Ihr ja schon:


        Gärtner träumt (aus Hermann Hesse, Die Gedichte, S. 779, Insel Taschenbuch)

        • Was hat die Traumfee in der Wunderbüchse? 
        • Vor allem ein Gebirg von bestem Mist! 
        • Dann einen Weg, auf dem kein Unkraut wüchse. 
        • Ein Katzenpaar, das keinen Vogeln frißt.
        • Ein Pulver auch, mit dem bestreut alsbald Blättläuse 
        • sich in Rosenflor verwandeln
        • Robinien jedoch zum Palmenwald
        • mit dessen Ernte wir gewinnreich handeln.
        • O Fee, und mache daß uns Wasser flösse
        • an jedem Ort, den wir bepflanzt, besät; 
        • gib uns Spinat, der nie in Blüten schösse 
        • und einen Schubkarrn, der von selber geht!
        • Und Eines noch: ein sicheres Mäusegift, 
        • den Wetterzauber gegen Hageltücken, 
        • vom Stall zum Haus einen kleinen Lift, 
        • und jeden Abend einen neuen Rücken.


        Das mit dem Rücken unterschreibe ich sofort ;-). Euch allen einen bunten Start in den Herbst!

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