Ich fragte dich (Hermann Hesse)

Petras Bücher-Apotheke – heute mal romantisch und ohne weitere Worte, weil er stets die besseren findet:

Ich fragte dich 

(Auszug aus Die GedichteHermann HesseInsel Taschenbuch S. 61)

  • Ich fragte dich, warum dein Auge gern
  • in meinem Auge ruht,
  • so wie ein reiner Himmelsstern 
  • in einer dunklen Flut.
  • Du sahest lang mich an, 
  • wie man ein Kind mit Blicken mißt,
  • und sagtest freundlich dann:
  • Ich bin dir gut, weil du so traurig bist.

….

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Herbstbeginn (Hermann Hesse)

Einverstanden! Denn keine Jahreszeit zaubert so ein schönes Licht wie der Herbst. Die Falten der Natur zeichnet er mit Dunstschleiern weich, der erste Rauhreif überzuckert früh die Wiesen, pastellfarben liegt der Abendhauch über den Dächern …

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Auszug aus Herbstbeginn (Die Gedichte, Hermann Hesse, Insel Taschenbuch, S. 285)

  • Der Herbst streut weiße Nebel aus, 
  • es kann nicht immer Sommer sein!
  • Der Abend lockt mit Lampenschein, 
  • mich aus der Kühle früh ins Haus.
  • Bald stehen Baum und Garten leer, 
  • dann glüht nur noch der wilde Wein,
  • ums Haus und bald vergüht auch der, 
  • es kann nicht immer Sommer sein …

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Gärtner träumt (Hermann Hesse)

Der Herbst ist nicht mehr weit, in unserem Garten wirbelt der frische Wind schon die ersten Blätter von Bäumen und Sträuchern in die Ecken. Jetzt träumt mein Gärtner-Herz vom Blütenrausch des Sommers und vom Farbenrausch des Herbstes. Ja, und es gibt da einen, der diese Stimmung mit den richtigen Worten einfängt. Meinen Lieblings-Dichter Hermann Hesse kennt Ihr ja schon:


Gärtner träumt (aus Hermann Hesse, Die Gedichte, S. 779, Insel Taschenbuch)

  • Was hat die Traumfee in der Wunderbüchse? 
  • Vor allem ein Gebirg von bestem Mist! 
  • Dann einen Weg, auf dem kein Unkraut wüchse. 
  • Ein Katzenpaar, das keinen Vogeln frißt.
  • Ein Pulver auch, mit dem bestreut alsbald Blättläuse 
  • sich in Rosenflor verwandeln
  • Robinien jedoch zum Palmenwald
  • mit dessen Ernte wir gewinnreich handeln.
  • O Fee, und mache daß uns Wasser flösse
  • an jedem Ort, den wir bepflanzt, besät; 
  • gib uns Spinat, der nie in Blüten schösse 
  • und einen Schubkarrn, der von selber geht!
  • Und Eines noch: ein sicheres Mäusegift, 
  • den Wetterzauber gegen Hageltücken, 
  • vom Stall zum Haus einen kleinen Lift, 
  • und jeden Abend einen neuen Rücken.


Das mit dem Rücken unterschreibe ich sofort ;-). Euch allen einen bunten Start in den Herbst!

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Die Gedichte (Hermann Hesse)

Fronleichnahm, 15.06.2017

Dieses kleine dicke Büchlein, ganz abgegriffen ist es mittlerweile. Man sieht ihm deutlich an, es wird geliebt. 

Mein Mann und ich, haben es wohl schon unzählige Male durchgeblättert, jeder von uns hat hier seine Lieblingsstellen, manche mögen wir auch beide gleichermaßen, lesen sie uns auch gegenseitig vor. Andreas kann seine Herzenspassagen sogar auswendig.

Zeitlos, alterslos, egal ob lang, ob kurz, ob traurig, nachdenklich oder heiter, zwischen diesen Seiten, zwischen diesen Zeilen findet man die ganze Welt.

Ja, ich mag auch seine Erzählungen, seine Essays, seinen Peter Camenzind, oder Verrückt in die verliebte Welt. Aber seine Gedichte sind für mich das wahrhaft große Kino. Wie dieser Mann mit dem Versmaß ringt und diese herrliche Melancholie … Eine Handvoll seiner Worte lassen in meinem Kopf ganze Landschaften, oder auch Gemälde entstehen. Er hatte wohl ein wundes Herz, leck geschlagen durch den Krieg, durch dort Erlebtes und doch scheint immer auch das Licht durch seine Worte hindurch.

Wer kennt nicht seine „Stufen“, die Passage „jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ ist schon fast ein geflügeltes Wort geworden.

Wie schafft man es nur, mit so wenigen Silben, so wenigen Zeilen so viel auszudrücken? Da ich mich selbst nie kurz fassen kann, verneige ich mich hier in Ehrfurcht …

In diesem Beitrag hinterlasse ich einmal zwei seiner Gedichte, ein weiteres von ihm findet ihr in einem separaten Post, den ich im Blog schon veröffentlicht habe.

Vielleicht kann ich Euch ja anstecken, anstecken mit dem „Hesse-Virus“ …

Bücher (von Hermann Hesse)

  • Alle Bücher dieser Welt – bringen dir kein Glück, 
  • doch weisen sie dich geheim in dich selbst zurück.
  • Dort ist alles, was du brauchst – Sonne, Stern und Mond,
  • denn das Licht, danach du frugst, in dir selber wohnt.
  • Weisheit, die du lang gesucht, in den Büchereien,
  • leuchtet jetzt aus jedem Blatt – denn nun ist sie dein …


Wolken (von Hermann Hesse)

  • Wolken, leise Schiffe fahren, 
  • über mir und rühren mich,
  • mit den zarten, wunderbaren Farbenschleiern wunderlich.
  • Aus der blauen Luft entquollen, 
  • eine farbig schöne Welt,
  • die mich mit geheimnisvollen Reizen oft gefangen hält.
  • Leichte, lichte, klare Schäume, 
  • alles Irdischen befreit,
  • ob ihr schönen Heimwehträume der befleckten Erde seid?

Seufz 💕!!!

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Verliebt in die verrückte Welt …

Sonntag, 23.04.2017

…  zum Welttag des Buches gibt es heute in meiner Apotheke eine Dosis Lyrik vom Meister …

Gestutzte Eiche (Hermann Hesse, Die Gedichte, Insel Taschenbuch, S. 472)

  • Wie haben sie dich, Baum, verschnitten,
  • Wie stehst du fremd und sonderbar!
  • Wie hast du hundertmal gelitten,
  • bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
  • Ich bin wie du, mit dem verschnittenen,
  • gequälten Leben brach ich nicht
  • und tauche täglich aus durchlittenen
  • Roheiten neu die Stirn ins Licht.
  • Was in mir weich und zart gewesen,
  • hat mir die Welt zu Tod gehöhnt,
  • doch unzerstörbar ist mein Wesen,
  • ich bin zufrieden, bin versöhnt.
  • Geduldig neue Blätter treib ich
  • aus Ästen hundertmal zerspellt,
  • und allem Weh zu Trotze bleib ich
  • verliebt in die verrückte Welt.

….

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