Hummeldumm (Tommy Jaud)

Sonntag, 02.04.2017

Endlich ist es wieder soweit! In unseren Zierkirschen sind die Hummeln los. Sie toben durch die Blüten, dass ich kaum mit der Kamera hinterher komme. Dabei wollte ich so gerne einen Schnappschuß für Euch schießen. Es brummt um meine Ohren, während ich meine Nase mutig zwischen die Äste stecke und abdrücke. Die kleinen pelzigen Knäuel sind flink und fleißig, baumeln kopfüber mit dicken Pollenbeuteln an den kurzen Beinchen von den Blüten. Da könnte ich stundenlang zuschauen, diese Ausdauer ist beeindruckend. Wie unfair, ihren Namen für einen Buchtitel herzunehmen und zu verunglimpfen – ok, ok, ich gebe zu die Geschichte von Tommy Jaud finde ich mindestens genauso cool wie meine Hummeln 😉…

Hummeldumm (Tommy Jaud)

Matze ist im Streß, also alles eigentlich so wie immer. Er und Sina wollen sich endlich ein gemeinsames Nest bauen, in eine Eigentumswohnung investieren. Die Aufgaben zwischen den beiden sauber aufgeteilt: Matze macht die Wohnung klar und Sina bucht den Urlaub für danach. Irgendwohin, Hauptsache weg, er würde ihr folgen, unverdrossen. Kann sein, das er das in einem Telefonat mal zu ihr gesagt hat …

Quasi in letzter Minute kann Matze dann auch diese schnucklige kleine Eigentumswohnung für sie reservieren. Sina hatte sich sofort verliebt und schiebt schon seit Tagen im Kopf die Möbel. Auch Sina schlägt zu, sie wollte schon immer nach Nambia, damit die beiden was sehen und trotzdem schön entspannen können soll es eine geführte Gruppenreise werden, „Zwischen Sand und Seidenkissen“ – so der offizielle Reisetitel. 

Bei der Ankunft in Windhoek tröstet sich Matze, dem ein unaufgeregter Finca-Urlaub auf Mallorca um einges lieber gewesen wäre, mit der Aussicht wenigstens in einem dickbereiften Geländewagen mit ordentlich „Kawumm“ sitzen können. Der weiße, extrem dünn bereifte Toyota Minibus, der die kleine Touristengruppe am Flughafen abholt, und an den Rand der Kalahari bringt, raubt ihm aber auch dieses kleine Glück. Er schaltet um in den „Nörgelmodus“.

Die Eigenheiten der Mitreisenden, das teils unverständliche Stammeln des afrikanischen Reiseleiters Bahee, das Wetter, die Unterkünfte, nichts aber auch gar nichts findet seine Zustimmung. Als ihm dann auffällt, dass er die Anzahlung für die Wohnung vergessen hat, ist das Chaos perfekt. Sina darf das auf keinen Fall erfahren!

Im Wechsel auf der Suche nach einem geeigneten Adapter für sein Handy (das hier die Steckdosen auch andere Löcher haben, ist ja wohl typisch!) und nach einer stabilen Internetverbindung wird er immer unleidlicher. Endlich gelingt es ihm dann doch die Überweisung auszuführen. Seine Erleichterung aber währt nicht lange, erreicht ihn doch beim Ladestand von 4% folgende SMS auf seinem Handy: „Hallo Herr Klein, Ihre Überweisung in Höhe von 5 Euro können wir nicht ganz nachvollziehen.Bitte melden Sie sich.“ Tja, hummeldumm halt 😉

Tommy Jaud, 1970 geboren, war Ende der 90er Headwriter bei der SAT1 „Wochenshow“ und Anfang 2000 Creative Producer von Anke Engelkes Show „Ladykracher“. 2004 erschien sein erster Roman „Vollidiot“, den er mit „Resturlaub“ und „Millionär“ fortgesetzt hat. 

Mir gefällt an „Hummeldumm“ am Besten, das hier dem Reisevolk so herrlich aufˋs Maul geschaut wird. Mich hat sein Roman an die ein oder andere Reisegruppe erinnert, in die ich auch schon einmal „intergriert“ war. Sehr vergnüglich und auf irrwitzige Weise auch spannend, begleitet man Matze auf seiner Rundreise. Jaud verknüpft die Umstände so unglaublich, das einem Angst und Bange wird um Matze, Sina und ihr Glück. So manches Mal hab ich mir die Hand vor die Stirn geschlagen, dann wieder Tränen gelacht. Jauds Wortwitz unglaublich, die Pointen jagen einander rasant. Nicht nur ein Urlaubsbuch, vielleicht für die Osterferien, sondern auch ein Buch für den Urlaub zwischendurch. Das er den Namen meines Lieblingsinsektes für den Buchtitel verwendet hat, habe ich ihm dann schließlich doch verziehen. 

Ach, und eine Gemeinsamkeit habe ich doch noch ausgemacht. Genauso wie das Erdmännchen, das das Cover ziert und als Daumenkino in die TB Version eingebaut ist, nisten auch Hummeln in Erdlöchern 🤗

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Der Pfau (Isabel Bogdan)

Samstag, 11.02.2017

Teamarbeit ist so eine Sache …

Knifflige Aufgabe, die wir uns da vorgenommen haben, da müssen wir an ganz schön viel denken. Wie kriegen wir das jetzt am besten hin? Oh Mann, wieder mal drängt die Zeit. Der Berufsalltag sieht für uns oft so oder so ähnlich aus. Wie gut, wenn man da im Team effektiv zusammenarbeiten kann. Was aber tun, wenn es im Team nicht rund läuft, oder einer gar (wenn auch im Scherz) fragt: „Weißt Du eigentlich was Teamarbeit übersetzt heißt?“ Und sich die Antwort darauf gleich selbst gibt: „Toll ein anderer macht’s!“ – Ja gut, Witze erzählen gehört nicht unbedingt zu meinen Stärken, eine die es dafür umso besser versteht mit Wortwitz umzugehen ist die Autorin, die ich Euch hier vorstellen möchte:

Der Pfau (Isabel Bogdan)

Im Team der Londoner Investment-Bankerin Liz läuft es irgendwie nicht rund. Ihr Chef ist der Meinung, handeln ist geboten und bucht Liz mit ihrem vierköpfigen Team (alles Männer) in einen „Teambuilding-Workshop“. Samt Psychologin und eigener Köchin geht es in die schottischen Highlands.

Dort betreiben Lord und Lady McIntosh, er Altphilologe und sie Ingenieurin ein Hotel. Nicht ganz freiwillig, aber der Unterhalt für ihr Herrenhaus, zumindest die ältesten Teile davon stammen (vermutlich) aus dem siebzehnten Jahrhundert, frißt ihnen die Haare vom Kopf. Die ehemaligen Wirtschaftsgebäude, Scheunen und alles was sich sonst eignet wurden zu Feriencottages umgebaut und werden fortan an ruhesuchende Städter vermietet. Kein Handyempfang, kein Fernsehempfang, nur das Rauschen des Baches. Die Unterkünfte sind einfach, kein Luxus, Rückbesinnung auf das Wesentliche und Natur pur. Der nächste Ort ist 12 Meilen entfernt, die Zeit vergeht hier irgenwie langsamer.

Als die Buchung der Londoner Privatbank für das Workshop Wochenende eingeht, ist die Lady entzückt, ist das doch ein wahrer Segen für die klamme Kasse. Dumm nur das einer der fünf Pfauen, die der Lord in einem Anfall von Übermut angeschafft hat, verrückt geworden ist. Aber lest selbst, was er Pfau und ein plötzlicher Wintereinbruch mit Teamarbeit zu tun haben …

Isabel Bogdan arbeitet seit Jahren erfolgreich als Übersetzerin für englische Literatur, u.a. für Jane Gardam und Nick Hornby. Sie trifft stilsicher den richtigen Ton und hat ein Händchen für den trockenen, britischen Humor. „Der Pfau“ enthält eine erstaunliche Verkettung von Ereignissen, aus unterschiedlichen Blickwinkeln der Figuren mit leichter Feder erzählt. Ein bischen schräg, immer liebenswert und very british. I like!

 

 

Kurze Geschichte des Traktors auf ukrainisch (Marina Lewycka)

Sehnsucht nach dem Frühling – „Humor meets Tiefgang“

Donnerstag, 02.02.2017

Der erste Strauß Tulpen, die ersten Primeln, am Fenstern stehen und nach den ersten Schwalben Ausschau halten. Den Grauschleier des Winters weg blinzeln … Spätestens Anfang, Mitte Februar packt Sie mich – die unbändige Sehnsucht nach dem Frühling.

Zur Überbrückung hilft mir da meist eine Geschichte mit Herz, über die ich richtig lachen kann. So wie bei …

Kurze Geschichte des Traktors auf ukrainisch (Marina Lewycka)

Papa hat sich wieder verliebt!  Das ist unmöglich, unfassbar, ja – unverschämt! Wie jetzt, heiraten? Papa, Du bist 84! Als Nadia der Anruf des Vaters erreicht ist sie außer sich. Erzählt er doch gleich auch noch, das seine Zukünftige schlappe 36 Lenze zählt. Das riecht nach Erbschleicherei, ist sich Nadia sicher und zum ersten Mal seit langem mit ihrer großen Schwester Vera einer Meinung – es muss gehandet werden!  Alle Möglichkeiten muß man ausschöpfen, Behörden bemühen, dem Vater den Wahnsinn ausreden, die noch nicht einmal in der Ukraine geschiedene junge Frau mit Sohn! einbürgern zu lassen. Doch der Vater schaltet auf stur, er heiratet sie tatsächlich. OK! – Dann arbeiten die beiden Schwestern eben weiter und zwar an der Scheidungs-Front, aufgeben ist keine Option  …

Ihr Vater Stanislav liebt unterdessen seine Valentina, arbeitet konzentriert an seinem Roman „Kurze Geschichte des Traktors“, recherchiert über Bremssysteme, die Entwicklung des Düsentriebwerks in den 30iger Jahren in der Ukraine und bruzelt sich seine „Toshiba-Äpfel“ …

„Ein Bravurstück“ schreibt Denis Scheck im Tagesspiegel über diesen Roman. Die „Kurze Geschichte des Traktors ..“ ist der erste von Marina Lewycka und er eroberte nicht nur die Bestenlisten in England im Sturm, sondern auch mich. Leicht und unterhaltsam erzählt sie, mehrfach lesen möchte man diese Geschichte. Lange hallen der Humor und das Erzählte in mir nach. In meinem Buch-Apotheker-Schrank ist sie damit  DAS Heilmittel gegen Frühlings-Sehnsucht. Mögliche Nebenwirkung: Dauerlächeln …

Britt-Marie war hier (Fredrik Backman)

Samstag, 21.01.2017 – Fußball ist soviel mehr!

Unser Leben ist voll von Veränderungen. Egal ob wir beim Einkaufen unsere Lieblingsmarmelade nicht mehr finden, es unser gewohntes Shampoo jetzt mit neuem Duft gibt (aber mal ehrlich, der neue ist doch wirklich Mist!). Richtig dick kommt es dann, wenn es in Beziehungen kriselt, zu Freunden, den Eltern oder Geschwistern, dem Partner …

Einer meiner Lieblings-Buchheldinnen ging es auch so. Vielleicht kennt Ihr sie schon, falls nein, hier kommt Britt-Marie:

Glücklich war sie mit ihrem Kent, sie hielt ihm den Rücken frei, putzte, kochte und rödelte für seinen Erfolg. jetzt ist sie sechzig (echt?) und da kommt die Eröffnung wie ein Schlag in die Magengrube. Er hat eine Andere, na klar eine Jüngere! Britt soll ausziehen mitsamt ihrer Balkonpflanzen und steht buchstäblich vor dem Nichts. Gearbeitet hat sie ja nie, außer für Kent’s Wohlergehen und jetzt braucht sie genau das dringend: Einen Job.

Die junge Frau auf dem Arbeitsamt scheint nicht zu verstehen, wie ernst es ihr damit ist, sie reagiert genervt auf die pedantisch wirkende Frau die da, die Handtasche fest umklammert vor ihrem Schreibtisch steht. Und dann doch ein Angebot: Hausmeisterin in einem Jugendzentrum? Wo soll das sein? In Borg. Wo bitte ist denn Borg? Ein Kaff irgendwo in Süd-Schweden, das aus der Zeit gefallen zu sein scheint.Kaum angekommen wird Britt angeschossen – von einem Fußball …

Britt kämpft mit sich und ihrem Putzzwang (… bloß nicht auf den Boden weinen, das gibt Flecken.), vorlauten Kids die wie sie irgendwie abgehängt worden sind, und wird sogar Fußballtrainer. Neue Freunde, der Ex dem dann doch Zweifel kommen und Britt-Marie die aufräumt bis der Arzt kommt. Mein Herz hat sie dabei im Sturm erobert, jedes Wort habe ich ihr geglaubt, mit ihr gelacht, geweifelt und geweint. So!

Frederik Backmann, Schwede, Ex-Gapelstaplerfahrer, Familienvater und Autor hat sich mit seinem Debütroman „Ein Mann namens Ove“ auch in die Herzen der deutschen Leser geschrieben. Meine erste Lesebegegnung mit ihm war „Oma läßt grüßen und sagt es tut ihr leid“. Schon diesen Roman, seinen feinsinnigen Humor, sein Talent Herzen zu berühren habe ich geliebt – und dann kam Britt-Marie. Schön das sie hier war …

Auch diese Geschichte habe ich mir vorlesen lassen und genossen, wieder Heikko Deutschmann, auch diesmal trifft er einfühlsam den richtigen Ton. Viel Spaß Euch!