Blogbeiträge

David (Judith W. Taschler)

Sonntag, 22.10.2017

„Davon hast DU ja keine Ahnung“. Dieser Satz kann treffen wie eine Pfeilspitze und wurde mir, als kinderlosem Teil eines Ehepaares, auch schon mehr als einmal vor die Füsse geworfen. Stimmt, von Erziehung habe ich tatsächlich keine Ahnung, praktisch gesehen, aber eine Meinung, die habe ich schon. Immer seltener tue diese mittlerweile kund. Immer häufiger schüttele ich jetzt innerlich den Kopf. Die Werte in unserer Gesellschaft sind im Wandel. Das erleben wir alle tagtäglich. Grußlos huschen Kinder im Dorf an mir vorbei, mir hätte meine Oma damals die Ohren dafür lang gezogen. Gepetzt hätte das mit Sicherheit unser alter Schuster, hätte ich ihn übersehen auf dem Heimweg von der Schule. Wir/ich wurden von einer Gemeinschaft erzogen, genervt hat es mich als Kind, gehaßt habe ich diese Belehrungen …

Wer ist dafür verantwortlich wie der Lebensweg eines Kindes verläuft? Ist ein Kind dadurch schon verdammt, dass man es zur Adoption frei gibt? Können Alleinerziehende überhaupt ihrer Aufgabe gerecht werden? Heikle Fragen, derer sich Judith Taschler hier annimmt:

David (Judith W. Taschler)

Wer joggt auch schon im Winter? Seit zwei Tagen hatte es ununterbrochen geschneit, bis zur Hüfte reichte ihm stellenweise der Schnee. Dieser Hügel der da vor ihm lag war ihm nicht geheuer, ein ungutes Gefühl beschlich ihn als er näher heran kam und aus einer Ahnung heraus im Schnee zu graben begann. Bald schon hatte er einen Autoreifen freigelegt, roter Lack schimmerte durch die weißen Flocken. Er grub sich bis zum Autofenster durch, dann sah er sie. Kopfüber hing sie im Gurt. Verzweifelt versuchte er die Türen des Fahrzeugs zu öffnen. Vergeblich …

Oma Clara war ohne Frage die Heldin in Magdalenas Kindheit. Schon im Alter von sechs Jahren hatte Magdalena ihre Eltern bei einem Autounfall verloren. Clara, pensionierte Volksschullehrerin in einem kleinen Dorf in Tirol, nahm Magdalena zu sich. Die Kleine genoß schon bald das Landleben, in Wien wo sie mit ihren Eltern gewohnt hatte, hatte sie sich nie wohlgefühlt. Oma Clara verwöhnte sie, an ihrem siebten Geburtstag gab es gar ein Pony! Unbeschwerte Zeit, geliebte Oma Clara. 

Magdalena war noch keine zwölf, als ihre Großmutter morgens nicht wie immer aufgestanden war und in der Küche herumgewerkelt hatte. Bleich und starr hatte sie im Bett gelegen. Magdalena wollte nicht ins Heim, verzweifelt hatte sie den Leichnam im Bett mit Erde zu geschippt, damit der Geruch nicht bemerkt würde. Türen und Fenster hatte sie verriegelt, geflüchtet hatte sie sich in den Garten auf den Baum. Eine ganze Woche hatte sie so durchgehalten, bis ein Nachbar sie fand …

Verstümmelt! Endlich wieder zu Hause, führte einer der ersten Gänge Magdalena in den Garten hinter dem halb verfallenen Haus zu dem Davids-Ahorn, den ihr Großvater nach seiner Rückkehr aus der französischen Kriegsgefangenschaft gepflanzt hatte. Die Rinde war tief aufgeritzt, wer sich mit Bäumen auskannte wußte, damit hatte man ihn zum Tode verurteilt …

Judith W. Taschler, Bestseller-Autorin aus Österreich. Dies ist mein erster Roman von ihr. Einige werden sich evtl. an ihre „Deutschlehrerin“ erinnern. Sie selbst hat als Deutschlehrerin gearbeitet und sie wuchs mit sechs Geschwistern zusammen bei Adoptiveltern auf. Vielleicht gelingen ihr diese Geschichten deshalb so authentisch.

Sprachlich klar und ohne Schnörkel erinnert Taschler hier an eine Zeit, in der Abtreibungen noch illegal waren, gepfuscht und verstümmelt wurde. Sie wirft Fragen zum Thema Adoption auf, die sie brutal und ehrlich von Jugendlichen stellen läßt. Damit hat sie mich vielfach hart schlucken lassen …

Taschler macht den Makel, der für viele an dem Etikett „adopiert“ klebt nachvollziehbar. Wer weiß denn, ob der Schulkamerad nicht aus dem Schoß einer Mörderin gesprungen ist? Welche Gene oder gar Erbkrankheiten ein Partner mit bringt? Was ist es, das adoptierte Kinder umtreibt wissen zu wollen woher sie kommen? Muß nicht erst diese Frage beantwortet sein, bevor man weiß wohin man gehört, als Mensch, als Teil der Gesellschaft?

Sie erzählt uns eine Geschichte von Schicksal und Schuld, von Strippenziehern und Marionetten. Kommt dabei ohne Paukenschläge und Trommelwirbel aus, baut mit geschickt gesetzten Rückblenden eine Spannung auf, die den Roman beinahe zum Krimi werden läßt. Berührend und packend gleichermaßen. Fein wie Adern ziehen sich die Ereignisse durch die Geschichte, durchfluten und durchbluten sie, machen ihre Figuren lebendig, nahbar und glaubwürdig.

Ihre Magdalena mochte ich sofort. Ihr Leben beginnt wie die Geschichte von Pippi Langstrumpf, zwar Vollwaise, aber wild und frei. Pippi haben wir jedoch nie erwachsen werden sehen – Magdalena schon …

Ähnlich einer Patchwork-Decke berühren sich Fragmente der Lebensgeschichten ihrer Figuren. Ein buntes Bild, durchdrungen von Licht und Schatten, verbunden und doch getrennt – und wer ist eigentlich David? Erst spät im Roman löst sie dieses geschickt verschachtelte Rätsel.

Eine Geschichte ohne Anfang, ohne Ende – wie das Leben selbst …

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… vom Glück, im Freien zu sein

Freitag, 20.10.2017

Der Herbst ist hier bei uns, auf den Höhen des Hunsrücks schon weit fortgeschritten. Gestern war dann auch bei mir „Gartentag“. Bergeweise Laub wollte entsorgt, Sträuche und Bäume mussten gestutzt werden. Bei herrlichem Sonnenschein und um die zwanzig Grad, ging die Arbeit leicht von der Hand. Unser Ginkgo strahlt mit dem blauen Himmel um die Wette. 

Eine Kaffeepause mit meiner lieben Gartenfreundin, zwischen all den Abschnitten meiner japanischen Zierkirschen und unserem Hortensien tat gut.

Steckt man die Hände jetzt in die Erde, riecht es anders als im Frühling. Das feuchte Laub, es zerfällt um dem Boden neue Kraft zu geben. Ich liebe es, den Wandel der Jahreszeiten im Garten zu erleben, manche meine Gehölze habe ich sogar ohne Blätter am liebsten, sieht man doch dann erst wie schön gewunden Äste, wie bunt die Rinde ist.

Meinem Lieblings-Gärtner in der Buchwelt, Jakob Augstein, dessen Buch „Die Tage des Gärtners“ ich hier schon vorgestellt setzt der Herbst besonders zu. Verständlich einerseits, wird sie ihn und alle anderen Hobbygärtner als Vorbote des Winters ja erstmal zur Tatenlosigkeit verurteilen und ins Haus verbannen. Ich ticke da anders, geniesse auch die Zeit hinter der Fensterscheibe, plane eine Veränderung in den Beeten, streife auf Ideensuche durch meine Gartenzeitschriften. Blättere auch in Augsteins Erlebnissen, schaut mal, was ich da so gefunden habe. Bei ihm ist das immer mit einem Augenzwinkern gemeint, das nimmt ihm dann doch etwas von seiner Schwermut, wenn er an den Herbst denkt:

Textzitat S. 67, Tage des Gärtners, Jakob Augstein

… Am Ende des Sommers müssen Sie Ihren Garten aufräumen, so wie man als Kind am Abend eines langen Tages sein Zimmer aufräumen musste. Das hat ein bisschen mit der Sorge um die Pflanzen zu tun und sehr viel mit der Liebe zur Ordnung. Der Winter ist an sich kein Spaß. Aber ein unaufgeräumter Garten im Winter ist wirklich sehr, sehr deprimierend. Wenn schon alles um uns herum stirbt, sollten wir wenigstens die Form wahren …

S. 69, Zitat Franz Biberkopf

  • Inzwischen melden sich die Jahre, der Mottenfrass zermürbt die Haare.
  • Es kracht bedenklich im Gebälke, die Glieder werden schwach und welke
  • Die Grütze sauert im Gehirn und immer dünner wird der Zwirn.
  • Kurzum, du merkst, es wird jetzt Herbst, Du legst den Löffel hin und sterbst.

S. 68

… Und dann zieht sich das Leben in Ihrem Garten in die Erde und Sie sich ins Wohnzimmer zurück. Im Spätherbst gehen Sie nochmal raus und atmen diese besondere Luft ein, die jetzt samtig ist mit dem Duft der Erde und der Dunkelheit. Dann machen Sie die Türen zu, damit die Kälte nicht ins Haus kommt …

Recht so. Jetzt, wo sich das Unkrautwachstum endlich verlangsamt, bleibt mir etwas mehr Zeit zum Lesen …




Petras Messe-Logbuch der FBM 2017 

„Es wird nicht mehr gelesen“ … Was machen denn dann all die Menschen hier? Frag ich mich schon, als wir von freundlichen Parkplatz-Einweisern in der Tiefe des Messe-Parkhauses in Frankfurt verstaut werden. Es ist gegen 10 Uhr, als wir nach rund zwei Stunden Autofahrt ankommen. Sicherheitshalber fotografiere ich mal schnell die Parkreihe in der wir stehen – man weiß ja nie. Dann verfolgen wir zwei gut gekleidete Herren im dunklen Anzug, die zielstrebig voran schreiten – die müssen ja wissen wo es hin geht. Jahre ist es her, das ich zuletzt hier war. 2011 – damals waren die sympatischen Isländer hier zu Gast. Eine beeindruckende filmische Präsention der Naturschätze ihres Landes und ihre große Leseleidenschaft hatten sie im Gepäck. Dieses Jahr heißt es hier „francfort en francais“ – ich bin gespannt.

Es geht flott voran, der Shuttle-Bus zur Messe füllt sich rasch und kurvt mit uns zum Ort des Geschehens. Als sich die Türen des Busses öffnen und er uns an Halle 3 ausspuckt – höre ich jemanden sagen – „das sieht irgendwie nach dem Hintereingang aus …“. Auf den Eingang habe ich gar nicht geachtet, sondern aus meinem Fenster geschaut. Was für eine grandiose Kulisse! Es sieht aus als schmiege sich die altehrwürdige Frankfurter Festhalle, am Fuß des Maintowers an die Messehallen. Strahlend blauer Himmel – wenn Buch-Engel reisen …

Vor dem Eingang zögere ich kurz. Es fühlt sich seltsam fremd, aber so wunderbar an, hier erstmals als Berichterstatter für meinen kleinen Blog unterwegs zu sein! 

Nach dem Überwinden der Taschenkontrolle trete ich ein in die heiligen Hallen. Der Sicherheit der Besucher kommt in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu. So viel ist ja schon geschehen und bedenkt man wieviele Menschen sich hier versammeln, da kann man schon nachdenklich werden. Ich schiebe den Gedanken beiseite, strebe einem der Eingänge in Halle 3.0 zu und muss mich gleich wieder setzen. Willkommen im Mekka aller Buch-Fans! Beinahe erschlägt es mich. Mein Blick wandert ruhelos umher und kann sich gar nicht niederlassen. Wo jetzt anfangen?

Hinsetzen! Kaum tue ich das, inmitten des Hauptstandes von Random House – der Bertelsmann Verlagsgemeinschaft, kommt auch schon eine nette junge Dame und bietet mir etwas zu trinken an. Na, das ist ja mal ein Ding! Ich packe meine Wunschliste aus, die ich mir zu Hause geschrieben habe und trage die Stände, die ich besuchen will im Hallenplan ein. Mir wird schnell klar, dass ich da einiges werde zusammenstreichen müssen, zu weit sind teilweise die Wege und zu knapp meine mitgebrachte Zeit. Das ein oder andere Gespräch wollte ich mir ja auch noch gönnen. Jetzt mal durchatmen, das Glas Wasser hilft. 

Mein Blick streift einen Mann, der mir irgendwie bekannt vorkommt … Aber ja, da sitzt doch tatsächlich ganz entspannt ein Tatort-Kommisar. Andreas Hoppe, im Krimi der Ludwigshafener, ist er Mario Kopper, der Partner von Lena Odenthal mit sizilianischen Wurzeln. Was macht er denn hier? Die Frage ist schnell beantwortet. Er ist heute beim Südwest Verlag zu Gast, mit seinem „Sizilien Kochbuch“. Andreas Hoppe ist mit seiner Figur Mario Kopper auf eine kulinarische Reise quer durch Sizilien gegangen, hat mit der Rezeptentwicklerin Cettina Vicenzino zusammen, unterwegs auch selbst kochend, von Syrakus bis Taormina 60 Rezepte eingefangen. Lecker! Das ist doch was für mich …

Wie riesig das Verlags-Portfolio von Random House wirklich ist, wird mir hier auf der Messe so richtig bewußt. Kinderbuch, Kochbuch, Ratgeber aller Art, politisches Sachbuch, Belletristik. 45 Verlage und zahlreiche meiner Lieblinge haben unter diesem Dach ihr zu Hause. Der Förster meines Vertrauens Peter Wohlleben wird hier bei Ludwig verlegt. Apropos Peter Wohlleben, er verschriftlicht seine Waldspaziergänge mit Kindern jetzt bei Kosmos, eine tolle Idee!

Mathias Malzieu „wohnt hier“ bei Carls Book’s. Dr. Siri Paiboun bei Manhattan, Gerhard Jäger bei Blessing. „Everland“ von Rebecca Hunt aus dem Luchterhand-Verlag wartet noch darauf von mir gelesen zu werden. Die Erfolgs-Reihe von George R.R. Martin „Das Lied von Eis und Feuer“ hat seinen Sitz bei Heyne. Maja Lundes „Bienen“ schwirren hier bei btb ein und aus und über allem leuchten „Die Gestirne“ von Eleanor Catton. Übrigens, im Gespräch mit dem Verlag erfahre ich, Maja Lunde entwickelt ihre Geschichte weiter –  es soll eine Trilogie werden und im Frühling erscheint der Band 2 in Deutschland, es geht dann um Wasser. Na, wenn das keine guten Neuigkeiten sind! 

Der aktuelle Literatur-Nobelpreisträger Kazuo Ishiguro hat hier ebenfalls sein Verlags-Zuhause. Kommende Woche werden seine beiden bereits verfilmten Titel „Was vom Tage übrig blieb“ und „Alles was wir geben mussten“ in neuen Hardcover Schmuckausgaben erscheinen, erfahre ich. Hier halte ich auch zwei seiner Titel in der Hand, die mich ebenfalls anlachen „Als wir Waisen waren“ und „Der Maler der fließenden Welt“. Letzteren liest gerade mein Mann und ist schon begeistert. Wenn ich allein diese Titel höre, schmelze ich …

Jürgen von der Lippe hat eine Lesesendung bei You-Toube? Selbst finanziert soll er sie haben. „Lippes Leselust“ wird aufgezeichnet im Theater der Wühlmäuse in Berlin. Buch darf Spaß machen, sei sein Motto – aber Hallo! Das unterschreibe ich sofort. Danke für diesen Hinweis an das Random House Team. Mittlerweile habe ich mal reingezappt in seine Sendung und mich schlapp gelacht. Er hat es halt einfach drauf!

Im Gespräch mit dem Verlag hüpft „Der Sympathisant“ von Nguyen dann auch noch mit auf meine Wunschliste.  Hilfe, ich brauche DRINGEND einen Kurs im Speed-Reading! Soviel tolle Titel, das ist in einem einzigen Leseleben nicht mehr zu schaffen!

Vielen Dank an dieser Stelle an meine Ansprechpartner bei Random House. Meinen persönlichen Lesehorizont und meinen Blog konnte ich immer durch Tipps aus Ihrer Hand bereichern! Der Besuch bei Euch hat Spaß gemacht!

Bestürzt schaue ich auf die Uhr, wie schnell sich hier die Zeit wegplaudert. Ich muss mich leider verabschieden, wir wollten doch noch nach Frankreich, das auch hier auf der Messe nicht gerade um die Ecke liegt. Es treibt mich weiter, vorbei am Drachen Kokosnuss, dessen Welt so bunt präsentiert wird, wie die Welt der Bücher eben ist. Putzig!

Einen Moment noch – Ulmer Verlag! Oooohhh … Wintergärten, aber nicht die aus Glas, sondern Aufnahmen von Gärten im Winter. Was für ein genial schöner Bildband. Ich vergesse sogar das Fotografieren … sorry, muss eben mal zwischen den Seiten abtauchen.

Gastland Frankreich F1, steht nüchtern auf dem Hallenplan. Wir schlagen jetzt mal hoffentlich die richtige Richtung ein. Brauchen aber dann tatsächlich keine Schilder, können schon bald den sich verdichtenden französischen Wortfetzen folgen, „francfort en francais“ – die Sprache ist auch das Motto der Austellung unserer Nachbarn. 

Unser Weg zum Halleneingang führt uns, Rollgleite aufwärts schon wieder ein genialer Blick auf den Maintower!, an einem stilecht eingedeckten französischen Restaurant vorbei. Bodenlange, weiße Tischwäsche und polierte Gläser, war nicht hier vor einigen Jahren noch ein isländischer Schnellimbiss? Was für eine Verwandlung! Der Duft von Holz mischt sich in der Halle mit dem von frischen Baguettes. Die französische Sprache ist das Thema dieser Halle – mein Schulfranzösich ist leider sehr eingerostet, was mir wieder einmal leid tut. Diese wunderbar melodiöse Sprache fliessend sprechen und vor allem verstehen zu können, das wär mal was. 

Die Regale und die Bühne hier sehen aus, als hätte man sie aus riesigen Streichhölzern gebaut. Der Teppichboden ist safrangelb. Man findet hier sogar das Replik einer Gutenberg-Presse. „Autor druckt am Stand“ heißt hier ein Programm-Punkt. Verschiedene Autoren drucken auf dieser Presse die ersten Seiten ihres neuen Romans. Der Autor, den wir nicht sehen, so umlagert ist er, könnte Sylvain Prudhomme sein. Ich sehe nur Hände und Köpfe. Macht nix. Verstehen tue ich auch kein Wort, aber die Stimmung ist toll hier!

Die Sprache ist dann auch, der man hier in vielfältiger Weise huldigt. Man zollt dabei nicht nur Schriftstellern, sondern auch Druckern, Übersetzern und Archivaren Respekt, und immer wieder wird der Weg vom gedruckten Buch zum digitalen Text aufgezeigt.

Wir knappern an einem Baquette, die gibt es hier inkl. Macarons an einem kleinen Stand mitten in der Halle. Sitzen auf Bistrostühlen und lauschen einem Vortrag, der die Unterschiede zwischen der französichen und der deutschen Nationalbibliothek aufzeigt. So archivieren wir in Deutschland, per gesetzlichem Auftrag, man stelle sich das vor seit 1913 alles Geschriebene, darunter auch täglich die Ausgaben von rund 1.200 Zeitschriften! Jetzt auch E-Books und Audio Material. Wen wundert dabei, dass sich die großen Vermarkter der Branche (u.a. Amazon) hier für die Digitalisierung anbieten und schon ihre Fühler nach den Rechten auf diese Schätze ausstrecken. Verblüffend, welche Informationen man hier quasi im Vorbeigehen erhaschen kann. 

Auf dem Weg zurück werfen wir einen Blick auf den „Open-Air-Bereich“ hinter Halle 3 mit Lesezelt. Schon aus der Vogelperspektive läßt sich die Ankündigung für den neuesten Dan Brown „Origin“ erkennen. Eine riesige Stehle auf dem Platz kündigt ihn an. Im Hintergrund der Turm des Kein & Aber Verlages aus übereinander gestapelten und begehbaren Übersee-Containern.

Viele Fans haben den 5. „Robert Langdon Band“ mit Spannung erwartet. Eine große Lesung am Samstag Abend von und mit Dan Brown, wenn ich richtig informiert bin, sein einziger Auftritt in Deutschland, zum Messeabschluß steht noch aus. Das wird sicher eine tolle Veranstaltung. Ich habe zur Zeit die Hörbuch-Version im Auto und lausche gebannt dem neuesten Abenteuer, das uns diesmal nach Spanien führt.

Ein erfolgversprechendes Winter-Programm für Bastei Lübbe, denn der neue Ken Follet ist ebenfalls erst vor einigen Wochen erschienen und erhitzt seither auch schonmal über seinen Preis die Gemüter. „Das Fundament der Ewigkeit“ ist sehr schön ausgestattet, schlägt aber dafür auch mit 36 Euro zu Buche. Zum Glück ist ja der Weihnachtsmann nicht weit und wer sagt denn, das Erwachsene keine Wunschzettel schreiben dürfen …

Am Stand von Bastei Lübbe fällt mir als erstes aber nicht Ken Follet ins Auge, auch nicht Dan Brown, sondern ein weißer Baum. Hier wurden zahlreiche Autoren, nein nicht erhängt, sondern aufgehängt mittels ihres Schwarz-Weiß-Portrait-Fotos. Man kann geteilter Meinung sein, angesichts dieser „Hinrichtung“. Mir gefällt es irgendwie, diesen Baum im Zentrum der Lübbe-Geschichten zu haben. Steht er damit nicht sinnbildlich auch für die Wurzeln des Verlages? An den Kopfenden des Standes entdecke ich sie dann auch. Wer kennt sie nicht, die Heftchen-Romane mit denen Bastei Lübbe erfolgreich geworden ist. Lassister meets die Landärzte, nein nicht in einem Heftchen 😉. Auch bei meiner Mama lag immer eines auf dem Nachttisch …

Carlsen, Coppenrath/Spiegelburg – wieviel Mühe man sich hier mit der Standgestaltung macht. Sind diese „Bücher-Decken-Lampen“ nicht zum Anbeissen? Feine Papeterie trifft auf Reisetagebuch. Geschenkbuch, was für ein Begriff ist das eigentlich? Für mich ist halt jedes Buch ein Geschenk und doch gibt es sie, kleine fein gearbeitete Büchlein und Hefte die anzufassen und zu bestaunen ein Geschenk ist. Hier bei Coppenrath findet man sie. Liebevoll, teils nostalgisch gestaltete Notizhefte für Wortsammler, Gedichte- und Tagebuchschreiber. Apropos Tagebuch. Hier gibt es eine superschöne Reisetagebuch-Ausgabe aus der New York City Reihe des Verlages. So lassen sich Erinnerungen aufbewahren. Das schaue ich mir mal noch in Ruhe an, nach der Reise ist schließlich vor der Reise, oder?

DK – der Dorling Kindersley Verlag punktet mit einem genußvollen Stand inklusive Bisto im OG. Leckere Kochbücher machen Lust auf’s Kochen. Pädagogisch wertvoll für die Kleinsten können die auch. Tolle Mischung.

Jetzt aber auf, nicht immer ablenken lassen, zu einer meiner geplanten Haupthaltestellen: DTV – Der Deutsche Taschenbuch-Verlag. Wieviel Tipps habe ich mir hier schon abgeholt? Keine Ahnung, unzählige. Meinem eloquenten, belesenen Ansprechpartner – ein dickes Dankeschön. Dieser Verlag und ER, sind für mich ein nie versiegender Quell der Inspiration. Federico Axat mit seinem „Mysterium“ ist immer noch mein Lieblings-Thriller. „Die Wölfe“ von Jermey Fel heulen auch hier mit der Messe-Meute. 

Für die Apotheke habe ich im Gespräch hier ein paar richtige Sahneschnittchen gefunden: Seit langem mal wieder Erzählungen, Lucia Berlins „Was ich sonst noch verpasst habe“.  Madeleine Prahs „Die Letzten“ und Lesley M.M. Blume mit „Und alle benehmen sich daneben“. Auch Andreas ist fündig geworden, er beigeistert sich für Timm Marshalls „Im Namen der Flagge“, den „Atlas der erfundenen Orte“ (eine tolle Ausgabe!) und für „Schattenmächte“ von Fritz R. Glunk. 

Als wenn das nicht schon genug wäre, überrascht mich mein Verlags-Kontakt noch mit einer Spontan-Begegnung. Ich lerne den „Angstmann“ persönlich kennen …

Nein (lach) nicht ihn, sondern Frank Goldammer. Der junge Autor stammt aus Dresden und hat mit „Der Angstmann“ seinen historischen Krimi im Dresden der 1944/45 Jahre verortet. Sein zweiter Fall für Kommissar Max Heller „Tausend Teufel“ hat am 13.10.2017 Erstverkaufstag. Auf der Messe darf man heute schon rein schnuppern. Tolle Cover, vor allem der neue in der Klappenbroschur kommt richtig gut. Goldammer signiert mir seine zwei Bücher (stolz!), drückt mich einmal (seufz!). Was diese Spannungs-Autoren aber auch immer so nett sind, und so fotogen, oder? Der Waaahnsinn! Leider muss jetzt hier weg und lesen! Seine Krimis habe ich eben erst kennengelernt, wie ist das denn bloß passiert? Ich merke, an meiner Interviewtechnik und Spontanität muss ich noch feilen. In Ehrfurcht erstarrt, wollten mir einfach nicht die richtigen Fragen einfallen. Könnte aber auch an seinem einnehmenden Lächeln gelegen haben 😉

Dankeschön DTV, Merci Frank Goldammer!

Weiter geht’s, keine Müdigkeit vorschützen. Das Obergeschoß der Halle 3 wartet auf Entdeckung. Dort habe ich mich auch mit einer lieben Bücherfreundin bei den Fischer-Verlagen verabredet. Unterwegs stolpern wir über Sebastian Fitzek, der plaudernd in der VIP Lounge bei Droemer Knaur sitzt. Über Daniel Kehlmann !! im Gespräch mit einem Fan. 

Angekommen bei S. Fischer, hier geben sich literarische Highlights und Bergsteiger-Legenden die Klinke in die Hand. Arundhati Roy meets Reinhold Messner. Letzterer ist auf der Messe persönlich anwesend. Vertieft in ein Gespräch verpasse ich ihn doch tatsächlich – ist das denn zu fassen?! Mein Mann sagt kurz darauf ganz entspannt, – hast Du den denn nicht gesehen, der hat dich doch fast gestreift, als du da gesessen bist? Hallo!!! Ich glaube es ja nicht – wir diskutieren noch, warum Andreas sich nicht sofort für ein Selfie auf ihn gestürzt hat, da flaniert auch schon Richard David Precht vorbei. Kann mich vielleicht mal jemand kneifen? Und sorry, so schnell krieg ich jetzt mein Handy zum Fotografieren wirklich nicht aus der Tasche (innerlich kreisch!).

Im Gespräch bei S.Fischer lerne ich heute, Dank meiner Freundin, auch deren Blogger-Betreuerin persönlich kennen. Sehr sympatisch! Ich freue mich schon auf die Zusammenarbeit.

Vom neuen Liebling im Verlag erfahre ich, einer Dystopie. Neal Shustermans „Scythe“. Genial schönes Cover wie in Bronze gegossen. Band 2 wird silbern und Band 3 dann golden. Da werde ich mir doch mal erlesen, wie es ist, wenn die Menschheit nicht mehr sterben kann. Winter ist bei mir ja Fantasy Zeit …

Juhu – einen neuen von Fredrik Backman gibt es auch am 26.10.21017. „Die kleine Stadt der großen Träume“ muss unbedingt von mir entdeckt werden. Ich liebe seine Romane „Oma läßt grüßen“ und seine „Britt-Marie“. 

Am Sonntag wird hier Kreisch-Alarm sein, erzählt meine Bekannte. Kerstin Gier wird dann ihr wunderschön gestaltetes neues Buch auf der Messe signieren, „Wolkenschloss“. Hut ab – ich bewundere sie, wie sie ihre jungen Fans an’s Lesen bringt. In ihrer neuen Geschichte geht es um einen magischen Ort in den Wolken und um eine Heldin, die ein bischen zu neugierig ist. Na, Kopf in den Wolken, das paßt doch hervorragend zu mir …

Vielen Dank, an S. Fischer, lieben Dank Bettina für Deine Zeit, – Du hast was gut bei mir!

Hier wird aber wirklich mit allen Waffen gekämpft, oder? Beim Rowohlt Verlag setzt man auf Kontraste. Aber auf einen der eindeutig Laune macht. Ein neu interpretierter Till Eulenspiegel trifft auf Robbie Williams. Daniel Kehlmanns „Tyll“ liegt auf meinem Lesestapel schon ganz oben. Im Text weiter unten erfahrt ihr mehr, von seinem Interview auf dem „Bauen Sofa“.

Das Display, das auf das neue Buch „Reveal – Enthüllungen“ von Robbie Williams aufmerksam macht, nimmt dieses Wortspiel schon mal ernst. Bereits „entblättert“ meint Robbie hier: – Lies mich. Mhmm – mal sehen, ich werd wohl erst mal beim „Tyll“ bleiben 😉. Vielleicht mit etwas Hintergrund-Musik vom guten Robbie …

Was? Von Carmen Korn gibt es jetzt schon drei Bände? Ich erinnere mich noch dran, als sei es gestern gewesen, dass ich „Töchter einer neuen Zeit“ auf mein Bücher-Radar genommen habe. So langsam macht mir das Angst hier, wir gehen jetzt besser. Es sei denn wir finden jemanden, der Lesezeit in Tüten abgefüllt mit anbietet!

Gehen Sie nicht über Los, sondern besser über Droemer Knaur. Hier entdecke ich noch einen lieben Bekannten beim Verlag und bleibe schon wieder hängen. Das verheißt nix gutes für meinen SUB. War ich eben noch stolz mit H. Kent und J.W. Taschler zwei Droemer Titel „abgebaut“ zu haben,  da kommt mir doch hier ein Thriller unter, den ich nun wirklich nicht ignorieren kann. „Kreuzschnitt“ von dem Norweger Oisten Borge wird mir empfohlen. Er verbindet zweier meiner Sehnsuchts-Reiseländer miteinander – Norwegen und Südfrankreich. Na dann – der Winter wird sicher lang, da kann ich doch noch viel lesen … Danke, liebes Knaur-Team, für diese Idee.

Erwischt! Bei C.H. Beck – bleibe ich an dieser Fahne auf dem Weg nach draußen dann doch noch hängen. Eigentlich muss ich dringend an die frische Luft. Die Menschenmenge ist dichter geworden, der Sauerstoff wird knapp und die Temperatur steigt.

Jose Eduardo Agualusa – Eine allgemeine Theorie des Vergessens. Nach einer wahren Geschichte. Am Vorabend der angolanischen Revolution erschießt Ludovica einen Einbrecher in Notwehr, begräbt ihn auf der Dachterasse und läßt sich anschließend für 30 Jahre in ihrer Wohnung einmauern. Unglaublich, oder?

Zwei Autoren-Interviews hatte ich heute, am 12.10., auf meiner Merkliste des „Blauen Sofas“. Leider hat es für einen Live-Besuch auf der Messe für mich nicht mehr gereicht. Zum Glück wird jetzt beim ZDF auch „gestreamt“ und ich konnte es mir so noch anschauen.

Auf unterschiedliche Weise haben diese beiden Autoren von sich reden gemacht. Da haben wir einmal Mariana Leky, die mit ihrem „Was man von hier aus sehen kann“ einen überwältigenden Erfolg gelandet hat. Sie plaudert entspannt davon, dass sie sich alle ihre Figuren ausgedacht hat, die Struktur des Dörfchens im Westerwald aber eine bestehende sei. Ganz souverän geht sie mit Kitsch-Vorwürfen um, die ihr in einigen Buchbesprechungen vorgeworfen werden, indem sie dem Begriff „Kitsch“ mit der Moderatorin gemeinsam nachspürt. Sie erzählt, sie habe sich über einen Freund viel mit dem Buddhismus beschäftigt, sie selbst habe es überhaupt nicht so mit der Gelassenheit, sei deshalb so von ihr fasziniert. Da verstehe ich doch gleich noch besser, warum mir ihr Roman so ausgenommen gut gefallen hat 😉

(Quelle Foto: ZDFDas blaue Sofa)

„Uups, Sie haben es ja doch wieder getan“. Sagt der Moderator zu Daniel Kehlmann. Nach „Der Vermessung der Welt“ habe er doch keinen historischen Roman mehr schreiben wollen. Am 11.10.17 ist sein „Tyll“ bei Rowohlt erschienen. Damit quasi noch druckfrisch. Kehlmann erzählt, er habe sich hier von Shakespeare inspirieren lassen. Historisch nicht ganz korrekt habe er den Till Eulenspiegel, auf der Suche nach einer Leitfigur für seinen Roman, in die Zeit des dreißigjährigen Krieges verlegt. Shakespeare meets Till Eulenspiegel – ich freue mich drauf!

Bye, Bye Frankfurt – ich muss jetzt dann doch gehen, oder besser schleichen, denn mir tun trotz Einlagen und bestem Schuhwerk die Füße weh.

Die Begeisterung für das Buch, das Lesen, das Büchermachen scheint mir ungebrochen. Die Leidenschaft derer die Geschichten erfinden, erfassen, erzählen und bestaunen ebenfalls. Die Stimmung hier ist einzigartig, optimistisch. So viele lächelnde Geschichter, soviel Begeisterung. Ich war erstaunt von dem Andrang an diesem Messe-Donnerstag und bin gespannt später zu erfahren wie zahlreich die Besucher dieses Jahr waren. Jeder erlebt diese Messe anders, entdeckt unterschiedliches, kann sich nur einen Bruchteil des Angebotes erschließen egal wieviel Zeit er oder sie dafür einplant. Sie ist ein Kaleidoskop und Kompaß in der Bücherwelt, ein Abenteuer, ein Marathon. Große Preisträger (Margaret Atwood – Friedenspreis des Dt. Buchhandels 2017, Robert Menasse – Dt. Buchpreis 2017, Kazuo Ishiguro – Literatur-Nobelpreis 2017) feiert sie ebenso wie Start-Ups. Ja, und Lesen darf eindeutig Spaß machen. Ist in seiner Ausprägung immer eine Bereicherung für unser Leben. Literatur muss nicht sperrig sein, man darf kann und sollte seine Hemmungen davor ablegen. Sich vorwagen …

Unser Auto haben wir dann auch wieder gefunden, warum aber musste unsere Parkkarte an der Schranke versagen? Meine Theorie: Wahrscheinlich zeichnet hier jeder Parkschein auf, wieviel Kilometer sein Inhaber Tag schon auf dem Zähler hat, bei mir waren das wohl an diesem Tag noch nicht genug. Also, kein Rufknopf, kein Telefon – der weite Weg führte mich zurück zum Schalter. Dumm war, dass ich das Treppenhaus abwärts nicht wieder fand und so noch ein paar Extrarunden drehen musste. Wenn der Bauer in die Stadt kommt, denke ich so – da sehe ich auf dem Rückweg ein Paar, das mir schon auf meinem Hinweg aufgefallen war. Die beiden suchten jetzt seit 20 Minuten ihr Auto – wie gut das ich mein Foto habe … Ach, ja, beim zweiten Anlauf sind auch wir aus dem Parkhaus raus und wieder gut zu Hause angekommen.

Jetzt überlege ich an einem Lese-Sabbat-Jahr – übernimmt hier nicht die Krankenkasse auch die Kosten 😉?

The End.

 

Wo drei Flüsse sich kreuzen (Hannah Kent)

Samstag, 14.10.2017

Langsam verstummen die Gespräche um mich her, verlaufen sich die übrigen Wanderer zwischen den teils haushohen Lavabergen. Spitz und drohend, verwunden und verwunschen ragen sie vor mir auf, ihre Spitzen scheinen die Wolken zu berühren, die „Dimmuborgir“ die „Dunklen Burgen“, wie sich der isländische Name ins Deutsche übersetzen läßt. Hier so sagen die Isländer,  wohnen sie, die Elfen und Trolle. Fest verwurzelt ist hier in Island der Glaube an die Gegenwärtigkeit dieser Wesen. Ich schleiche mit angehaltenem Atem voran. Da, dieses Wispern, war das wirklich der Wind? Kühler scheint es mir plötzlich zu werden, kaum das ich um diese Ecke bin, mich fröstelt …

Gefallene Engel. Im Gefolge von Luzifer sollen, einer gaelischen Legende nach die „rebellischsten“ Engel den Himmel verlassen haben. Als die Tore des Himmels weit offen standen, verließen ihn aber auch noch andere Engel, solche die Luzifer nicht folgen wollten. Nach der Warnung der Erzengel, der Himmel würde bald entvölkert sein, gehe diese „Flucht“ so weiter, wurden die Himmelstore geschlossen. Für alle, die hinaus gelangt waren, blieben die Tore für immer verschlossen. Die so ausgeschlossenen Engel verblieben so unter uns Menschen und wurden zum Feenvolk …

Wo drei Flüssen sich kreuzen (Hannah Kent)

Irland, 1825

Martin war tot?! Die Männer hatten ihn mit hängenden Köpfen herein und in ihr Schlafzimmer gebracht. Nora hatte stumm daneben gestanden, nur Fragmente von dem, was die Männer ihr erklärten, waren zu ihr durchgedrungen. Herz – Graben – Kreuzung. Dem Brauch gemäß hatten sie bereits nach dem Priester geschickt, kümmerten sich die Nachbarn um die Waschung des Leichnams und organisierten die Totenwache, einen Klagegesang. In dieser ersten Nacht nach Martins Tod versammelten sich alle in der engen Kate von Nora am Feuer, Kerzen brannten, heute wollte sie niemand allein lassen und doch war sie es ab jetzt. Allein mit diesem unseligen, Kind. Diesem Balg, ihrem Enkel, den ihr Martin so geliebt hatte. Das mit seinen mittlerweile vier Jahren noch keinen einzigen Schritt getan hatte, nicht sprach, lieber ständig aus Leibeskräften schreiend rothaarig und milchgesichtig da lag. 

Die Freunde und Nachbarn hatten zu flüstern begonnen, das Wort „Zeichen“ schnappte Nora auf. Die Männer die ihn gefunden hatten verstummten als sie näher trat. Was hatten sie gesehen, hatte etwas auf Martins Tod hingedeutet? 

Ein harter Winter war über das Tal und seine Bewohner gekommen. Den Tod von Martin hatten alle noch nicht verwunden. Kerngesund und kraftstrotzend wie er war, konnte er doch nicht einfach so umfallen und tot sein? Viele Kühe hatten aufgehört Milch zu geben, das was man aus ihren Eutern noch herausquetschte, ließ sich nicht mehr buttern. Eine Niederkunft, die mit einer Totgeburt geendet hatte. All das, in so kurzer Zeit geschehen, wertete man als Zeichen, als Zeichen dafür, dass das Böse längst eingezogen war unter ihren Dächern. Nahezu alle im Tal hielten mittlerweile Noras Enkel für ein „Kuckuckskind“, das ihrer Tochter von den Feen untergeschoben worden war. So missgestaltet, unansehnlich, unausstehlich wie der Kleine war. Den bösen Blick musste ES haben, dieses Wechselbalg. Mit Brennesseln, Digitalis und allerlei anderen Tinkturen rückt man dem Kind fortan zu Leibe. Die Dorf-Heilerin, diese Grenzgängerin zur Anderswelt, die ihre Gabe den Feen verdankt, dann doch eingebunden …

Kronzeugin der Anklage. So richtig war Marie nicht klar, was das zu bedeuten hatte. Verstanden hatte sie aber, dass sie ihren eigenen Hals nur vor dem Galgen bewahren konnte, wenn sie einen Eid schwören und aussagen würde. Ungelenk hatte sie ihre Aussage mit einem Kreuz unterschrieben, so war es nun also besiegelt. Verängstigt und zittert stand sie jetzt auf, den starrenden Blicken der Geschworenen ausgesetzt, man gab ihr eine Bibel in die Hand und ließ sie schwören. Jetzt also würde es beginnen, dabei hatte sie nicht Schicksal spielen wollen, zu keiner Zeit. Dort wo die drei Flüsse sich kreuzten, dort war es gewesen, wo das Unfassbare geschehen war …

Hannah Kent werden einige von ihrem ersten Roman her kennen. „Das Seelenhaus“ wurde 2013 veröffentlicht, davor bereits 2011 in ihrer Heimat Australien ausgezeichnet. Damals hatte sie den Stoff für ihren Roman einem Tatsachenbericht aus Island entnommen. Auch diese Geschichte gründet sie auf einer wahren Begebenheit, was die Tragik, die Verkettung der Ereignisse enorm verstärkt. 

Der neue Priester im Tal, ein religiöser Eiferer, kämpft mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln, gegen den heidnischen, tief verwurzelten Glauben seiner Gemeindemitglieder. Es vermischen sich der heilge Zorn derer, die der alten Heilerin schon immer feindlich gesonnen waren, mit dem derjenigen, die in diesem Winter jede Hoffnung verloren hatten …

Abgebrannt, abgeurteilt, dem Volkszorn hilflos ausgesetzt. Die Atmosphäre in diesem abgelegenen Tal in Irland um 1825 fängt Kent sehr anschaulich ein. Diese heraufbeschworene Stimmung ist es auch, die mir besonders gefallen hat. Das karge Leben, geprägt von Armut, Hunger und Aberglauben meint man mit Händen greifen zu können. Was ist man bereit zu glauben, was war man damals bereit zu glauben? Alles was der Verstand nicht fassen konnte, sich nicht erklären ließ, musste mit der Anderswelt zusammenhängen. 

Wer apathisch war, oder geistig verwirrt, dem wurde schnell Besessenheit unterstellt. Teufelsaustreibungen, die ihre Opfer bis auf’s Blut quälten und an den Rand des Todes brachten waren an der Tagesordnung. Wir, die wir in einer Welt von Röntgenapparaten, MRTs und Laborbefunden leben, sind um einiges aufgeklärter. Als Patienten sind wir mündig und doch suchen auch wir heute vielfach Heilung und Zuflucht bei alternativen Methoden. Nennen es Homöopathie, Akkupunktur, Meditation. Dies soll uns Schmerzen dämpfen, uns mit unserem Ich, unserer Mitte wieder verbinden. 

Im ersten Drittel der Geschichte war ich mir noch sicher, wo das Gute aufhört und das Böse beginnt. Hatte alle Figuren eingeordnet, wußte wer auf welcher Seite stand. Dann nagten die ersten Zweifel an mir. Konnte es sein, was nicht sein durfte? Ich war geneigt, die Seiten zu wechseln. Doch etwas hielt mich zurück. Das hat Frau Kent prima hingekriegt, sie hat mich die Perspektive ihrer Figuren einnehmen lassen, mich dabei ihn ihre Geschichte verstrickt. Ihr „Seelenhaus“ habe ich als Island-Fan jetzt sofort auf meine Wunschliste aufgenommen.

Hörbuch-Fassung:

Vera Teltz, geb. 1971 ist als Synchronsprecherin ein Profi. Ihre Stimme lieh sie bereits Hollywoodgrößen wie Helena Bonham Carter und Maggie Gyllenhaal. In Produktionen wie „Pirates of the Caribean“ und auch in James Bonds „Skyfall“ wirkte sie dabei mit. Im Bereich Hörbuch scheint sie mehr für die eher düsteren geheimnisvollen Stoffe besetzt zu werden. Kein Wunder, flüstert sie doch für uns aus den Schatten. Haucht dieser Geschichte mit wispern Atem ein, erweckt die Szenerie im Irland der 1825er Jahre für uns zum Leben. Sie hat mir in diesem Roman außerordentlich gut gefallen. Ich habe sie auf meinem Zettel, Frau Teltz …

… los geht’s zur Frankfurter Buchmesse

Petra freut sich wie Bolle! Zum ersten Mal ist Petras Bücher-Apotheke auf der Frankfurter Buchmesse unterwegs.

Voller Vorfreude auf interessante Begegnungen, stelle ich mir gerade ein kleines Programm zusammen. Meine Zeit auf der Messe mit nur einem Tag ist leider begrenzt, da gilt es Schwerpunkte zu setzen. 

Auf jeden Fall möchte ich dem Gastland Frankreich einen Besuch abstatten. Verlagspartner besuchen, die mich insbesondere während der Startphase meines Blogs unterstützt haben. Dort alte Bekannte treffen, neue Bekanntschaften machen. Dem ein oder anderen Autor über den Weg laufen, vielleicht eine Signatur erbitten?

Hoffentlich mit einem Koffer voller Lese-Ideen zurück kommen, aufgekratzt und wortschwanger … Euch berichten was ich erlebt habe. Bis die Tage also!

Eure Petra!

P.S. Solltet Ihr mich erkennen – Bitte! gebt Euch zu erkennen 😉

Die Spuren meiner Mutter (Jodi Picoult)

Beitrag vom 16.03.2017 – DRUCKFRISCH im Taschenbuch erschienen:

Die Big Five! Nahezu jeder Südafrika Tourist stellt Ihnen auf Safari, bewaffnet mit Fernglas, Kamera und Sitzfleisch nach. Verharrt im Gebüsch, auf unbequemen Jeep-Sitzen, ruckelt durch Schlaglöcher und bibbert des Nächtens und vor Sonnenaufgang auf der Pirsch. Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard einmal aus der Nähe sehen und als Erinnerungs-Foto mit nach Hause nehmen. Das wärˋs, dachten auch mein Mann und ich vor einigen Jahren und brachen auf von Frankfurt nach Kapstadt.

In den großen Krüger Park haben wir uns der Malaria wegen nicht getraut, um so erstaunter waren wir wie gut man auch in kleinen, teils privaten Reservaten große Tiere aus nächster Nähe beobachten kann. Gänsehaut hatte ich dann bei einer Nacht-Safari. Lange bevor wir etwas sehen konnten, war da dieses Geräusch. Ein leises „Zerreissen“ in der nächtlichen Stille und schon waren mitten unter einer Elefantenherde die friedlich graste. Ein für mich winziger Elefant, er hätte in eine Reisetasche gepaßt, wurde sofort von seinen großen Artgenossen behutsam in deren Mitte genommen und nach allen Seiten abgeschirmt. Wie achtsam, und umsichtig diese großen Tiere miteinander umgingen! Wie leise sie wieder in der Nacht verschwanden.

Einige Tage später, führte uns eine Tour in die offene Savanne zu einem Wasserloch. Dort tobte ein anderer kleiner Elefant quietsch vergnügt, mit wehenden Ohren, wie ein junger Hund durch die Pfützen. Die umstehenden Dickhäuter schienen ihm ebenso belustigt zuzuschauen wie wir …

Die Spuren meiner Mutter (Jodi Picoult)

Serenity ist ein Medium und Wahrsagerin. Gleich zwei „Geister“, Lucinda und Desmond, führen Sie. Ihr Spezialgebiet ist das Auffinden vermißter Personen, sogar die Polizei arbeitet mir ihr zusammen. Ihre Erfolgsquote ist beachtlich, sie ist gern gesehener Gast in Talkshows und oft letzter Ausweg für verzweifelte Angehörige … Bis zu diesem einen Fall: Es geht um den Sohn von Senator McCoy, er wurde mitten im Wahlkampft entführt und die Polizei sucht fieberhaft nach ihm. Es ist ungewiß ob er noch lebt. Serenity wird aktiv. Im entscheidenden Moment aber, stehen ihr ihre beiden Geistführer plötzlich nicht mehr zur Verfügung und sie greift zu einen folgenschweren Lüge vor laufenden Fernsehkameras …

Virgil Stanhope ist abgestürzt. So nennt man das wohl, wenn man mehr Alkohol trinkt als einem gut tut. Seinen Job als Polizist hat er verloren, hält sich mit Gelegenheitsermittlungen als Privatdetektiv über Wasser, und an allem ist nur dieser eine Fall schuld, diese eine Nacht …

Jenna ist jetzt dreizehn und sie ist besessen. Besessen von der Idee ihre Mutter wiederzufinden die, da war Jenna gerade mal drei Jahre alt, verschwunden ist. Spurlos wie man so sagt. Eine Spur findet die hartnäckige Jenna dann aber doch, allen Widerständen zum Trotz und gegen den Willen ihrer Großmutter, bei der sie jetzt aufwächst …

Die großen Spuren im Leben von Jennas Mutter, der Elefantenforscherin Alice, aber haben keine Menschen hinterlassen, sondern IHRE Elefanten. Geliebt hat sie diese starken, klugen, sensiblen Tiere. Gekämpft hat sie für sie, unermüdlich und mit all ihrer Kraft. Bis zu dieser einen schicksalhaften Nacht im Reservat. Der Nacht, in der sie verschwand und die der Schlüssel zu allem zu sein scheint …

Jodi Picoult ist mit diesem Roman ein großer Wurf gelungen. Nie habe ich auf kurzweilige, spannende und humorvolle Art soviel gelernt –  über Elefanten! Über ihr Wesen, ihr Sozial-und Trauerverhalten, aber auch über Wilderei und über Macht und Ohnmacht im Umgang mit ihr. Die eigentlichen Helden in dieser Geschichte sind dann auch die Elefanten, mit ihnen beginnt alles und sie führen alle Fäden zusammen. In Rückblenden auf das Leben der Forscherin Alice erzählt Picoult und führt diese Geschichte zu einem wirklich krönenden Abschluß. Ich muss sagen, so bin ich im Finale eines Romans selten überrascht worden. Faszinierend und herzerfrischend anders. Für alle Vielleser eine schöne Abwechslung.

Die Kieferninseln (Marion Poschmann)

Sonntag, 08.10.2017

War es Hape Kerkeling, der vor ein paar Jahren den „Run“ auf den Jakobsweg ausgelöst hat? Stellvertretend für das Gefühl einer ganzen Generation von „Lebens-Entwurf-Hinterfragern“ stand seine Abkehr vom „Show-Biz“. Wie kaum ein anderer, berührte der sympatische Entertainer, mit Humor und Selbsterkenntnis in seinem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ die Nation. Viele wollten es ihm gleich tun, sich selbst wieder finden, warum nicht durch Pilgern?

Mir tun ja recht schnell die Füsse weh, weit würde ich nicht gekommen. Der Gedanke aber gefällt mir, wandernd seine innere Mitte, sein Gleichgewicht finden. Der Griff zu diesem Roman war also eine logische Konsequenz und plötzlich war ich unterwegs auf einer Pilgerreise der ganz anderen Art:

Die Kieferninseln (Marion Poschmann)

Gilbert Silvester, Privatdozent und ja, z. Zt. Bartforscher, unterschied die Welt für sich in Tee – und Kaffeeländer. Letztere bereiste er, Erstere nicht. Sie waren im zu mystisch.

Jetzt, im Flugzeug über Sibirien war ihm flau. Seit mehr als dreißig Stunden hatte er nichts mehr gegessen und er war wütend auf seine Frau. Allein ihre Schuld war es, das er jetzt ausgerechnet auf direktem Weg in ein verhasstes Teeland war. Japan! Freiwillig hätte er diese Reise nie angetreten. Sie aber mutete ihm das zu. Er dachte sich schon wieder in Rage!

Wie konnte Sie nur?! Erst ließ sie ihn träumen, sie habe ihn betrogen, dann darauf angesprochen, verhielt sie sich auch noch komisch! Abstand, das war es was er jetzt brauchte, der spontane Entscheid den Flieger nach Tokyo zu nehmen die notwendige Konsequenz.

In dieses Flugzeug zu steigen, war so lächerlich einfach gewesen, hatte so gar keine Umstände gemacht. Los lassen, wenn auch das nur so einfach wäre. Einsam mitten in Japan. So weit weg von zu Hause, wie er es noch nie zuvor gewesen war, betrat er in der Feierabend-Geschäftigkeit Tokyos den Gehsteig vor seinem Hotel …

Textzitat Seite 20: „Er hätte sich gern etwas zu essen gekauft, aber er fühlte sich zu durchlässig, um einen klaren Entschluß zu fassen, ja, er fühlte sich regelrecht transparent, und diese Transparenz hatte nichts mit Leichtigkeit zu tun, sondern war Ausdruck seiner Kraftlosigkeit. Seine Fähigkeit, Raum einzunehmen, Luft zu verdrängen, um mit seinem Körper an ihre Stelle zu treten, schien seltsamn beeinträchtigt.“

Yosa Tamagotchi ordnete umständlich seine Sporttasche. Richtete sich dann auf und war eben dabei über das Absperrgitter zu steigen, um sich vor den nächsten Zug zu werfen, als ihn dieser fremde deutsche Herr ansprach. Yosa erschrak, er stieg vom Gitter und verbeugte sich tief. Murmelte in schlechtem Englisch ein Entschuldigung. Es tue ihm leid, selbst hier zu versagen und seinem Entschluß keine Tat folgen lassen zu können. Bei Gilbert Silvester regte sich ein Gedanke. War es nicht so, dass man Selbstmörder in ein Gespräch verwickeln sollte? Das tat er und nicht nur das, er suggerierte dem jungen Mann, das dieser Ort doch wohl kaum seinem Ansinnen angemessen sei. Langer Rede, kurzer Sinn – die beiden verbrachten die Nacht in Gilbert’s aufgeräumtem Hotelzimmer. Morgen würde man weiter sehen …

Was haben der Wunsch nach Abgewandheit und ein Todeswunsch gemeinsam? Matsushima – der schönste Ort Japans! In der Abgeschiedenheit der Bucht der Kieferninseln gab es eine Klippe. Dieser Ort schien angemessen – fortan hatten Yosa und Gilbert ein Ziel …

Marion Poschmann schenkt uns mit diesen 164 Seiten ein Kleinod. Mit ihrer Pilgerreise auf den Spuren eines ehrwürdigen japanischen Wanderdichters schrieb sie sich auf die Short-List des Deutschen Buchpreises 2017. 

Sie kaligrafiert ihre Sätze präzise, leicht und elegant. Es ist eine Freude sie mehrfach zu lesen, sie hält dabei wunderbar die Balance zwischen Shinto-Weisheiten, Zen-Denkanstößen und ihrer Haupthandlung. Stellt die Unterschiede zwischen Tradition und Moderne im heutigen Japan heraus. Poschmann bringt uns eine Menge über japanische Schwarzkiefern bei, über die Laubfärbung des Zuckerahorns und über das Leben. Schickt uns mit Yosa und Gilbert zu den unterschiedlichsten „Selbst-Mörder-Hotspots“ rund um Tokyo. Wir lernen, dass sich zwischen 1930 und 1937 über zweitausend Menschen in den Trichter des Mihara-Vulkans gestürzt haben und dort in der glühenden Lava ein Ende fanden. Erfahren von Felsen, die so giftige Dämpfe absondern, dass sie nicht von Moos, sondern von toten Vögeln bedeckt sind. Verirren uns nachts in einem Selbstmörder-Wald und uns geht auf, dass der Nachnahme von Yosa, Tamagotchi – hier nicht zufällig gewählt sein kann. In Gilbert Silvester hat er seinen „Kümmerer“ gefunden. Aber wird er ihm auch tatsächlich helfen können?

Ein großer, kleiner Roman in dem mir keine einzige Zeile fehlt und von dem ich doch gerne mehr Seiten genossen hätte. Zu keiner Zeit erschlägt einen Schwermut, eher erfasste mich Demut, beschäftigte mich das, was Marion Poschmann nicht schreibt, zwischen ihren Zeilen …