Die Prinzessin von Arborio (Bettina Balàka)

Sonntag, 11.02.2018

Wem sind sie nicht schon begegnet, diese geschickten, eloquenten Manipulatoren. Ehe man es sich versieht, steht man mit ihrer Meinung nach einem Gespräch vor der Tür, fühlt sich instrumentalisiert und fremd gesteuert in eine Richtung, in die man selbst niemals aufgebrochen wäre.

Wird dabei mit den sprichwörtlichen Reizen einer Frau gekämpft, kann es für die Herren der Schöpfung schon mal ganz schön eng werden. Gleich ob privat oder im Beruf.

„Männermordend“ hört man da schon mal, wörtlich ist das zum Glück meist nicht zu nehmen. Es sei denn man heißt Elisabetta Zorzi und wohnt zwischen den Seiten eines Romans. Wer hinter diesem Titel hier einen Traum in pink mit Krönchen erwartet, der sei gewarnt. Romantisch geht es hier eher nicht zu, denn wer mit einem solchen Satz eine Geschichte einleitet, der hat anderes mit uns vor …

Die Prinzessin von Arborio (Bettina Balàka)

Textzitat:“ Für die einen war das Töten undenkbar, für die anderen war es machbar.“

Wer sich Arnold Körber das erste Mal gegenüber sah, hätte die Berufsschublade „Profiler“ sicher nicht für ihn geöffnet. Körbers bis zum Hals tätowierte, durchtrainierte Gestalt und sein Faible für bisweilen verstörende Death-Metal-T-Shirts ließen eher den Schluß zu, er stehe auf der anderen Seite des Gesetzes. Im Fernsehen war der Polizei-Psychologe aber wohl genau deshalb ein gern gesehener Gast, überzeugend in der Rede und äußerlich der „Bad-Guy“, lag das Publikum ihm stets zu Füßen …

Für die einen war sie ein beneidenswertes Mitglied der Wiener Schickeria, für die anderen war sie ein Mistück. Für ihre Mitarbeiter und ihre Männer war sie schlicht die „Zorzi“.

Elisabetta Zorzi, von Abstammung her Italienierin, dreißig Lenze alt, zierlich, gut gebaut und dank zahlreicher von ihrem aktuellen Freund spendierter Schönheitsoperationen, bildschön, hatte sich in Wien mit Fleiß, Intelligenz (sie hatte einen Bachelor in Tourism und Hospitality Management) und mit Hilfe männlichen Sponsorings, ein im Wortsinn ausgezeichnetes Restaurant aufgebaut. Die Reichen, Schönen und ganz schön Reichen tafelten mittlerweile regelmäßig hier. Ihr neuer Koch Massimo komponierte derweil Risotti, die von ihren Gästen geliebt wurden und seiner Chefin den Spitznamen „Prinzessin von Arborio“ eintrugen. Der Reissorte wegen halt. Sie als raffiniert zu bezeichnen, oder als berechnend wäre viel zu kurz gesprungen. Die Presse fand rund zehn Monate nach ihrer Verhaftung eine Vokabel für sie, die alles zu erklären schien „schwarze Witwe“ …

Die Warnung seiner allseits gehassten Kollegin Anneliese Strass, Gerichtspsychiaterin, hatte Körber in den Wind geschlagen: „Passen Sie auf sich auf …“, hatte sie gesagt. Als er jetzt über den Gefängnishof eilte, den Blick fest auf den bevorstehenden Besuch bei Frau Zorzi gerichtet, wehten diese Worte leise hinter ihm her …

Bettina Baláka, wurde 1966 in Salzburg geboren, sie lebt als freie Schriftstellerin in Wien, schreibt Büher, ebenso wie Theaterstücke und Hörspiele, wurde vielfach ausgezeichnet.

Ihre Prinzessin von Arborio ist mit leichter Hand geschrieben, der Wiener Schmäh blitzt durch die Seiten, die Sprache ist launig und durchaus humorig. Trotz dieses unterhaltsamen Grundtons schafft es die Autorin aber auch nachdenklich zu machen. Sie gewährt uns Einblicke in die Routinen eines Frauengefängnisses in einem historischen Gemäuer und in das Innenleben ihrer Figuren. Sie erzählt von Abhängigkeiten und Zwangsläufigkeiten, von der Sehnsucht nach einer Partnerschaft, die von Dauer sein möge.

Mich beschäftigen nach ihrem Roman da so einige Fragen. Man liest häufig über das „Stockholm-Syndrom“. Wenn sich Entführungsopfer in ihre Entführer verlieben, wird spekuliert was da im Kopf passiert. Kann es denn auch einen studierten, erfahrenen Psychologen treffen? Wer, wenn nicht er weiß es doch besser, wie man Abhängigkeiten umgeht, sich vor Manipulation verschließt, oder? Liebe macht blind, sagt man ja auch, kann man dabei aber einen Mehrfachmord ausblenden? Wie subtil kann jemand vorgehen, wenn er den Hebel beim Anderen erkennt um ihn genau in die Richtung zu bewegen, in die er ihn haben will?

Eine Geschichte die „locker vom Hocker“ daher kommt und es dabei faustdick hinter den Ohren hat. Zum Ende hin habe ich mich gefragt, wo soll das denn nur hinführen? Als ich mir die Antwort schon gegeben hatte, kam es dann ganz anders …

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