Die Tage des Gärtners (Jakob Augstein)

Freitag, 24.03.2017

„Si hortum in bibliotheca habes, deerit nihil“ Cicero meint, „Wenn Du einen Garten und dazu noch eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen“ – da kann ich ihm nur leidenschaftlich beipflichten. Ok, ich gebe an der Stelle zu, dass ich auf Knie- und Rückenschmerzen nach der Gartenarbeit auch gut verzichten kann. Im Sommer aber früh morgens mit der ersten Tasse Kaffee durch’s Gras zu streifen, an meinen noch taufeuchten Rosen zu schnuppern, mit den Fingern durch den Lavendel zu gehen, die großen Zierlauchblüten bestaunen, ist durch nichts zu ersetzen …

„Zuerst geht der Frost. Dann kommt das Licht. Und bald auch die Wärme. Zeit die Bücher wegzulegen, das Träumen einzustellen und die Arbeit im Garten aufzunehmen“ (Zitat Augstein).

Heute ging es endlich in unserem Garten wieder los, er wurde abgestaubt, die letzten Reste des Winters aus den Beeten gefegt, frühjahrsfein gemacht. Damit das flott von der Hand geht habe ich mir hier tatkräftige Unterstützung angeheuert, und vor ein paar Saisons schon eine Baumschule gefunden, deren nette Chefin mir eine echte Blumen-Freundin geworden ist.

Wir wohnen auf einem Höhenzug im Hunsrück, 531m über Normal-Null. Die Winter fangen bei uns früh an und dauern lange. Auch heute, der metereologische Frühlingsanfang liegt schon hinter uns, fegt ein eisiger Ostwind durch die noch kahlen Sträucher. Die ersten Tulpen zwängen sich bei uns, in den Randlagen unseres Gartens, auch schon mal Ende Mai noch aus der Erde. Oft weiß ich gar nicht mehr, wo ich welche Blumenzwiebeln in den Jahren zuvor verbuddelt habe und freue mich wie ein Schnitzel, wenn dann in einer Ecke unvermutet noch etwas Blühendes ans Licht drängt.

Diese Liebe zu den Zwiebelblühern teile ich mit Jakob Augstein. Deshalb muss ich Euch auch ausnahmsweise mal eines meiner liebsten Sachbücher vorstellen. Gut, es ist eigentlich ein erzählendes Sachbuch, denn wir erfahren allerlei über die Leidenschaften und Erlebnisse des passionierten Hobbygärtners Augstein. Lernen unterhaltsam eine Menge nicht nur über Zwiebelpflanzen, die schönsten Sorten beschreibt er mit lateinischen Namen, zum Nachkaufen, Nachbestellen und zum Freude daran haben im eigenen Garten.

Augstein gliedert sein unterhaltsames Buch in die vier Jahreszeiten, nimmt Stellung zu Bodenbeschaffenheiten, Handwerkzeugen aller Art, Teich- und Gartenplanung – hier zitiert er dann auch schon mal Brecht: „Ja, mach nur einen Plan, sei ein großes Licht, und mach dann noch ’nen zweiten Plan, gehn tun sie beide nicht …“

Gartenirrtümer, Gartenabenteuer, Gartenunfälle, verblüffende Ratschläge über Schnecken, Maschendraht und Laubbläser (eine meiner Lieblingspassagen! :-)) arbeitet er fleißig wie eine Biene und immer humorvoll ab. Sie zu lesen macht mindestens genauso viel Spaß wie das sich hoffentlich daran anschließende Buddeln im Freien. Dabei kann es auch im Topf auf dem Balkon gehen. Garten ist schließlich überall, genauso wie der ewige Giersch!

Als Hobbygärtner jeden Alters findet man sich in den Schilderungen des Autors wieder, dauernd hab ich mich nicht nur beim Schmunzeln, sondern auch beim Nicken erwischt. Besonders im Winter, haben mir seine augenzwinkernd verfaßten Kapitel die Wartezeit auf das neue Gartenjahr verkürzt, denn „Januar und Februar sind kalte Herrscher. Sie sind die Probe des Gärtners, sie testen seine innere Stärke.“ (Zitat Augstein)

Es lebe der Frühling und das Glück im Freien zu sein! Laßt Euch anstecken und genießt das Frühjahr – denn:

„Draußen rast das Leben, aber im Garten ist die Welt noch in Ordnung. Dafür sorgt der Gärtner. Er verwandelt das Chaos der Natur in einen Ort der Idylle“. (Zitat Augstein)

Jakob Augstein wurde 1963 geboren, hat Germanistik, Theater- und Politikwissenschaft studiert. Für „Die Tage des Gärtners“ hat er sich mit Nils Hoff zusammengetan. Hoff studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, arbeitete elf Jahre als wissenschaftlicher Zeichner am Museum für Naturkunde in Berlin. Er illustriert die Kapitel Augsteins mit feiner Feder, trifft szenische Stimmungen dabei ebenso gut, wie die Details einer Blüte.

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2 Kommentare zu „Die Tage des Gärtners (Jakob Augstein)“

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