Der Architekt des Sultans (Elif Shafak)

Donnerstag, 23.02.2017

Ich gebe es ja zu, beim Bummeln durch eine Buchhandlung bin ich letztens auch in die „Cover-Falle“ getappt, und nicht nur in die … Dieses kleine, feine Hardcover des Kein & Aber Verlags lag da auf einem Büchertisch und ich bin mir sicher, es hat mir zugezwinkert. Einmal in die Hand genommen, sehe ich – die Autorin kenne ich nicht, der Klappentext liest sich nicht schlecht. Mist, es ist eingeschweißt, wo ist das Ansichts-Exemplar! Ich ergattere es und setze mich erstmal damit in eine Ecke. Als Fan von alten Gemäuern und mit gehöriger Ehrfurcht vor alten Baumeistern konnte das doch nur ein Volltreffer sein. In Istanbul und Indien spielt es, na dann nix wie los zur Kasse:

Der Architekt des Sultans (Elif Shafak)

Mitternacht, 22.12.1574, Istanbul – es beginnt mit einem grimmigen Knurren in der Dunkelheit. Der Elefantenhüter und Bauzeichner Jahan, Schüler des Hofarchitekten Sinan, ist sich sicher, das Geräusch kann nur von einer der größten Raubkatzen im Sultanspalast kommen. Einem kaspischen Tiger. Was hat ihn aufgeschreckt? Plötzlich sind auch die anderen Tiere in Aufruhr geraten, Affen, Löwe, Papageien – sie erheben ihre Stimmen in einem einzigen verängstigten Getöse. Längst sind auch schon die anderen Tierbändiger auf den Beinen, versuchen die Ursache des Tumults zu ergründen, ein Wolf oder ein Schakal vielleicht, der in den Palastgarten eingedrungen ist?

Die Neugier aber treibt nur Jahan weiter voran, erst sieht er nach Chota, dem Elefanten der ihm anvertraut ist, dann dringt er weiter in den Palast vor. Gespenstisch steht der Mond über dem dunklen Rosengarten, verborgen im Schatten einer Mauer beobachtet Jahan eine seltsame Szenerie. Mehrere Taubstumme huschen zwischen den Eingängen der rückwärtigen Palasträume hin und her, manche von Ihnen tragen Säcke, andere Fackeln. Was hatte das zu bedeuten? Für eine Umkehr war es längst zu spät, dieser Angelegenheit musste er auf den Grund gehen. Er schleicht weiter und landet in einer schwach beleuchteten Kammer. Auf dem Boden zwischen reich dekorierten Möbeln, Wandteppichen und Spiegeln findet er eben diese Säcke. Ist ihm auch niemand gefolgt? Mit einem letzten Blick über die Schulter vergewissert er sich und öffnet einen der Säcke, es sind fünf. Heraus rutscht eine kleine bleiche Hand, eine Kinderhand, es sind fünf Kinderleichen in den Säcken …

Elif Shafak, geboren in Straßbourg, gehört zu den meist gelesensten Autoren in der Türkei. Dreizehn Bücher hat sie bereits vor dem „Architekt des Sultans“ veröffentlicht, der Spiegel bezeichnet sie als „Star in der türkischen Literaturszene“, unfassbar, das ich erst jetzt auf sie stoße. Für mich war die Begegnung mit Elif Shafak und ihrem Roman über den größten Architekten des Osmanischen Reiches eine ganz besondere. Ein episches Abenteuer! Bildgewaltig erzählt Shafak von der schicksalhaften Begegnung zwischen Meister und Schüler, von Krieg und Verderben, von einer großen Liebe und von der Erschaffung von Bauwerken die alle Zeiten überdauern. Magisch!

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2 Kommentare zu „Der Architekt des Sultans (Elif Shafak)“

  1. Elif Shafak ist eine großartige Autorin. „Der Architekt des Sultans“ ist ein toller historischer Roman. Ich mag ihre Bücher, die politischer sind, jedoch mehr, z.B. „Ehre“ oder „Der Geruch des Paradieses“, oder aber die, wo sie beides vereinigt, Politik und Historie wie „Der Bastard von Istanbul“. Auf jeden Fall eine Autorin, die es zu entdecken gilt. Viele Grüße, Petra

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