Kinder des Judas (Markus Heitz)

Montag, 20.02.2017

Koblenz, im Frühsommer 2016. Auf dem Spielplan im Rahmen des rheinland-pfälzischen Kultursommers steht das Stück „Ich, Judas“ mit Ben Becker. Passender Weise spielt Ben Becker in einer Kirche in der Stadtmitte, allein füllt er sie aus, hallt noch lange auf dem Nachhauseweg und auch an den folgenden Tagen in mir nach. Immer wieder komme ich mit meinem Mann auf seine Darstellung der Figur des „Judas“ zurück. Judas, für viele eine Hassfigur, selten bis nie aber schaut man auf ihre Zerissenheit, ihren inneren Zwiespalt. Einer hat das auch getan, auf ganz andere Art als Ben Becker mit seiner Interpretation, aber nicht minder eindrücklich, und das in einem spektakulären Thriller, der zu einem meiner liebsten geworden ist und in der es sich auch um die zentralste aller Fragen dreht – die Schuldfrage …

Kinder des Judas

2007, Leipzig, Deutschland.

Sia Sarkowitz ist jung, rätselhaft und außergewöhnlich schön. Seit über sieben Jahren arbeitet sie in einem Leipziger Krankenhaus. Als Sterbebegleitung wird sie von Patienten und Angehörigen oftmals für einen Engel gehalten, so einfühlsam, so mitfühlend! Ärzte und Schwestern können es nicht einordnen, Sia scheint das Herannahen des Todes zu spüren, ist immer zur rechten Zeit zur Stelle, auch dann wenn eben noch Hoffnung schien und Sia schläft nie …

1670, Gruza, Serbien.

Jitka ist acht Jahre alt, als ihre Mutter von den Türken gefangen genommen wird und sie allein zurück bleibt. In dieser Nacht flieht sie aus ihrem Heimatdorf Gruza. Auf einem Strohlager für Ziegen, unter einem Felsvorsprung findet sie Schutz vor der Kälte. Sie schläft ein und wird von der Wärme eines Feuers geweckt. Ein Mann, beugt sich über sie und flüstert „keine Angst, ich beschütze dich“. Jitka schrickt auf und rennt, der Mann muss ein Upir sein – lieber fällt sie den Türken in die Hände als einem Vampir! Sie stolpert durch die Dunkelheit zurück in ihr Dorf, wo sie sich bis zum nächsten Morgen im Schrank versteckt. Der Großknecht des Bauern für den seine Mutter arbeitet findet sie dort, verängstigt und noch mit Stroh in den Haaren aus ihrem Fluchtversteck. Nein, es ist kein Traum – ihre Mutter ist fort. Die Frauen am Hof des Großbauern nehmen sich ihrer an, bis zu diesem einen Tag als ein gut gekleideter Soldat auftaucht. Jitkas Vater sei er, aber wie kann das ein? Ihr Vater ist tot, so hat es ihr ihre Mutter immer gesagt. Doch dieser Mann kennt ihren Kosenamen und er trägt die andere Hälfte des Amuletts ihrer Mutter? Eine Sehnsucht nach Wärme und Zuneigung ergreift von Jitka Besitz und verdrängt die mahnende Besorgnis, die Fragen die dieser Fremde aufwirft und sie geht mit ihm …

Ist es tatsächlich schon 2009 gewesen, dass ich Markus Heitz auf einer Lesung im hiesigen Gymnasium erleben durfte? So präsent habe ich das noch! Eigentlich stand sein „Drachenkaiser“ auf dem Programm, ich aber klemmte mir die „Kinder des Judas“ unter den Arm, in der Hoffnung eine Signatur zu ergattern – und hatte Glück! Er erweiterte seine Lesung sogar um ein Bonus-Kapitel aus seinem Sachbuch „Vampire, Vampire“. Dieses Sachbuch war aus der Recherche zu den „Kindern des Judas“ entstanden und ist erstaunlich  … Erst jetzt verstand ich, wieviel realer Glauben oder Unglauben in den „Kindern des Judas“ steckt. Mit Herzklopfen und immer wieder über meine Schulter zurück blickend, ging ich nach der Lesung über den dunklen Parkplatz zu unserem Auto. Hakte meinen Mann fest unter…

Markus Heitz, Altmeister des mystischen hatte bereits über Zwerge und Werwölfe erfolgreich geschrieben. Jetzt also sollte es ein Vampirroman sein, ganz ohne Dracula, dafür mit einem mächtigen Bündnis aus Wissenschaftlern und Vampiren … Er stellt sich der Herausforderung und verwebt realhistorisches aus dem 18. Jahrhundert mit einer fiktiven Geschichte und genau das macht den Unterschied zu anderen Romanen dieses Genre aus. Man spürt zu jeder Zeit „das Fleisch an den Knochen“ dieser Geschichte. Die zwei Zeitebenen auf denen er erzählt und die er gekonnt mit einander verspinnt, lassen einen Seite für Seite schneller umblättern, treiben uns beim Lesen an. Reines Suchtpotential hat diese Geschichte!

 

 

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