Alle meine Wünsche (Gregoire Delacourt)

Freitag, 27.01.2017

Wie es wohl ist plötzlich reich zu sein? Fällt man in Ohnmacht, oder bricht man in Indianergeheul aus, wenn die Lottofee die eigenen Zahlen in der richtigen Reihenfolge aufsagt? Auf jeden Fall Reisen, oder? Halte ich es geheim? Wie lange geht das gut? Und wie sag ich es meinem Chef? Höre ich auf zu arbeiten? Wie reagieren Freunde, die Familie, gibt es Streit um das Eine, um’s Geld?

Madame Pillard führt einen Kurzwarenladen in Arras, Nordfrankreich. Um die Qualität eines Knopfes zu testen (ist er wirklich aus Elfenbein?) beißt sie darauf herum und bekommt ihn in die Kehle. Sie erstickt daran und reißt im Fallen die Knopfschachteln mit sich. So findet sie Jocelyne, ihre Angestellte, am Boden – inmitten von achttausend Knöpfen.

Der Adoptivsohn von Madame schlägt Jocelyne vor, doch den Laden zu übernehmen. Die Bank ist einverstanden, also tut sie es. Aber der Laden will einfach nicht laufen. Sie wartet auf ein Wunder und macht Handarbeiten. Ihre Pausen verbringt sie bei Daniele und Francoise im Friseursalon gegenüber. Die beiden sind es dann auch, die Jocelyne dazu drängen Lotto zu spielen, sich ihren Träumen, endlich weg zu können aus Arras, anzuschließen. Tja und dann – der Gewinn, der Scheck, den sie erst gar nicht abholen wollte über achtzehn Millionen fünfhundertsiebenundvierzigtausenddreihunderteinen Euro und achtundzwanzig Cent! Sie faltet ihn achtfach und legt ihn unter eine Einlegesohle, in einen Schuh …

Gregoire Delacourt baut Sätze die man mehrfach lesen will, mehrfach lesen muss! Ausgefeilt wirken sie und doch einfach, als könne er all das aus dem Ärmel schütteln. Fast wie in einer Parabel läßt er uns hier darüber nachdenken was im Leben wirklich wichtig ist. Jocelyne mit ihrem Scheck, ihrer Einstellung hat mich umgehauen. „Nein ich bin nicht reich, ich besitze nur die Versuchung. Die Möglichkeit eines anderen Lebens.“

Träumen wir davon nicht alle? Euch einen schönen Freitag und viel Glück. Morgen ist Samstag, und wer weiß vielleicht füllt einer von Euch ja einen Lottoschein aus …

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