Frl. Smillas Gespür für Schnee (Peter Hoeg)

Sonntag, 22.01.2017

Oldie but Goldie!

Kennt eigentlich jemand Frl. Smilla noch?

Nach einem Winterspaziergang habe ich das so lapidar in meine Facebook Gruppen gefragt. Die positive Resonanz von so vielen, auch von denen die Smilla nicht kennen, war für mich erstaunlich. Einer Einladung, dann doch noch eine Rezension hinterher zu schicken, komme ich hiermit gerne nach:

Es schneit in Kopenhagen und es ist kalt, minus 18 Grad Celsius. Smilla Jaspersen hat Respekt vor dem dänischen Winter. Hier hat sie bislang mehr gefroren als jemals zuvor in Grönland, wo Sie eigentlich her kommt. Eine Fremde ist sie, wohnt unter Fremden in der Siedlung im „weißen Schnitt“. Alte Lagerhallen sind zu Wohnblocks umgebaut. Provisorisch wirkt das hier, trotzdem sind die Mieten überhöht. Hier wohnen die, für die der Staat aufkommt, die die nichts anderes kriegen können und die eher marginalen Existenzen wie Smilla.

Hier hat sie im Sommer auch Jesaja kennengelernt. Der Junge der vor Dreck starrt, dessen Mutter trinkt, den sie auch gegen sein Protestgeheul in die Badewanne steckt, dem sie vorliest was auch immer sie gerade selbst liest, z.B. Euklids „Elemente“. Ihm ist es egal, sie hätte genauso gut aus dem Telefonbuch vorlesen können und Smilla schließt den Streuner ins Herz …

Sie sieht das Blaulicht kreisen an diesem Abend und rennt, das muß bei Ihrer Wohnung sein. Streifenwagen, ein Absperrband und ein kleiner verdrehter Körper im Schnee – Jesaja! Er ist vom Dach gefallen, vom Gerüst das wegen der Dachreparatur aufgestellt wurde erklären sie ihr. Der Mechaniker hat ihn gefunden sagen sie ihr, ein Unfall war es. Dann die Beerdigung und eine Einsicht, eigentlich wußte Smilla es schon lange – sie hatte ein weitreichendes Abkommen mit Jesaja, sie würde ihn nicht im Stich lassen, niemals – auch jetzt nicht!

Was für alle klar scheint läßt Smilla nicht ruhen, so unversehrt sah Jesajas kleiner Körper nach dem Sturz aus. Ist er wirklich an den Folgen des Sturzes gestorben?

Peter Hoeg ist ein literarischer Thriller gelungen, der Kult und Klassiker geworden ist. Man badet in ausgefeilten Sätzen die auf der Zunge zergehen. Smilla ist als Figur so herrlich unangepaßt, die Geschichte selbst auch noch „saumäßig“ spannend. Im Hanser Verlag 1994 in deutscher Übersetzung erschienen und für mich immer noch eine absolute Leseempfehlung. Perfekt für diese kalten Wintertage …

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